Da es sonst niemand tut, feiert sich das Management von Aldi einmal im Jahr, kurz vor Weihnachten, selbst. Die Weihnachtsfeiern sind eines der Highlights des Jahres.

Im Restaurant oder Hotel, je nachdem, auf welche Variante sich der Verkaufsleiter nach wochenlanger Diskussion mit sich selbst geeinigt hat, findet zuerst eine kurze Ansprache statt. Inhalt: Alles ist wieder bestens gelaufen, keine Schwierigkeiten letztes Jahr, tolle Zahlen, super Mitarbeiter, erstklassiges Betriebsklima. Nächstes Jahr soll alles noch besser werden. Wir haben es uns verdient. Wir arbeiten weiter daran. Und überhaupt: Wir sind die besten. Prost!
Die verlogene Ansammlung von Jasagern applaudiert der verlogenen Rede und prostet sich und vor allem den Vorgesetzten zu. Endlich gibt es was zu essen. Nun serviert also ein Sternekoch ein mindestens fünfgängiges Menü, das so mühsam ausgewählt wurde. Es werden ausschließlich Top-Restaurants mit besten Küchen ausgesucht. Wenn nur die Stimmung ein klein wenig besser wäre. Aber weshalb sollte ausgerechnet an diesem einen Tag im Jahr alles anders sein als sonst?

Üblicherweise wird auch darüber berichtet, wie viele Prokuristen und Geschäftsführer demnächst in Rente gehen. Es soll vermittelt werden, wie gut die Karrierechancen sind. Zuckerbrot und Peitsche. Während die alten Bereichsleiter an dieser Stelle müde lächeln, glauben die Jungen das noch. Ich erinnere mich an einen Trainee, der in seinem jugendlichen Leichtsinn daraufhin gegenüber dem Geschäftsführer tönte: «Super, dann werden ja demnächst viele Stellen für mich frei.» Alle am Tisch lachten. Mein Tischnachbar Wolf und ich schauten uns nur vielsagend an. Wir wussten beide: Der Trainee wird bald ein ehemaliger Kollege sein.