08.02.2016 Rosenmontags-Update

Debütroman fast fertig!

Nach längerer Zeit nutze ich den heutigen Rosenmontag für ein kleines Update: im vergangenen Jahr habe ich ein insgesamt dreiteiliges Seminar im Literaturhaus München besucht. Es hat mir geholfen, meinen Roman neu aufzustellen und weiter zu entwickeln. Nun bin ich allmählich fertig, Ende dieser Woche soll die erste Rohfassung stehen. Ich bin gespannt auf das Feedback meiner Testleser, meiner Agentin und seitens der Verlage! 

26.04.2015 Die Aldi Expansion in den Osten Deutschlands

Dreharbeiten für den MDR

Heute habe ich mit einem Team des MDR über die Expansion von Aldi (Nord) nach der Wende in den Osten gesprochen - ein interessantes und gleichzeitig kaum besprochenes Thema. Denn nach der innerdeutschen Einigung musste alles schnell gehen. Discounter wie Supermärkte wollten den Osten für sich erobern, mit jeweils ganz unterschiedlichen Strategien. Aldi Nord setzte zunächst auf eine Übertragung des im Westen etablierten Systems. Allerdings blieben die Erfolge aus. So passte man sich an und erweiterte das Sortiment beispielsweise um einige Ost-Artikel. Insider und damals Beteiligte sprechen von wilden Zuständen: beispielsweise wurde ein Schweinestall der früheren LPG angemietet und von dort aus Ware verkauft. Details und die ganze Story demnächst im MDR! 

02.04.2015 Vorbereitungen für Kino-Film

Heute habe ich mich mit den Produzenten und mit der Autorin des Films mit Arbeitstitel "Der Discounter" getroffen.
Er basiert auf "Aldi - einfach billig" und soll meine eigene Geschichte als Spielfilm darstellen. Alle Beteiligten wirkten sehr interessiert und motiviert, den Stoff fürs Kino umzusetzen. Aktuell werden Drehbuch und Treatment entwickelt. Ich helfe dabei beratend, soweit ich kann. Bis es soweit ist, wird noch einige Zeit ins Land gehen. Aber 2017 dürfte realistisch sein ...

27.03.2015 Crystal Meth in Tübingen/Reutlingen

TÜBINGEN/REUTLINGEN. Kristallines Methamphetamin, bekannt als Droge Crystal Meth, findet sich vereinzelt in der Region Tübingen/Reutlingen, jedoch längst nicht in Ausmaßen wie in Sachsen, Thüringen oder Teilen von Bayern. Von einer Überschwemmung kann in Baden-Württemberg keine Rede sein. Probleme bereiten eher sogenannte Badesalze. Für die Drogenhilfe Tübingen/Reutlingen spielt Crystal Meth keine große Rolle.

Kristalle des Teufels: beschlagnahmtes Crystal Meth. FOTO: DPA.
Kristalle des Teufels: beschlagnahmtes Crystal Meth. FOTO: dpa
Einzelne Fälle traten jedoch auf, etwa eine Frau, die aus Ostdeutschland stammte und die Crystal-Abhängigkeit gewissermaßen mitbrachte. »Wir haben mehrere Konsumenten, die alles nehmen, was sie kriegen können. Da ist dann manchmal auch Crystal mit dabei«, sagte Hans Köpfle, Psychologe und Leiter der Sucht- und Drogenberatung Tübingen/Reutlingen. 

»Überschaubares Problem«

Von den etwa tausend Betreuungen im Jahr sind 300 bis 400 Opiat-Abhängige, 250 sind Substitutions-Patienten. Jugendliche kämen häufig wegen Abhängigkeit von Alkohol, Cannabis, Online-Spielen oder eben auch von illegalen Drogen. Reine Crystal-Süchtige seien eher selten. 
Auch die Polizei in Reutlingen hält Crystal Meth momentan für ein überschaubares Problem. Neben einem kleineren Verstoß wegen Besitzes von 0,05 Gramm konnte die Polizei im vergangenen Jahr zwei Dealer verhaften; in einem Fall wurde etwa ein Gramm kristallines Methamphetamin sichergestellt. Bei einer Goa-Party im Oktober erwischten die Beamten einen 19-Jährigen mit etwa fünf Gramm. »Das entspricht etwa 50 Konsumeinheiten«, erklärt Polizeisprecher Björn Reusch. 
Ähnlich sieht es auf Landesebene aus. Zwar steigen Fallzahlen und die sichergestellten Mengen seit 2009 tendenziell, insgesamt ist die Droge aber noch relativ selten. Zahlen sind für 2014 noch nicht veröffentlicht, jedoch ist ein sprunghafter Anstieg zu erwarten, sowohl bei den Fällen als auch bei den beschlagnahmten Mengen, bedingt allerdings durch einen großen Fall. All dies bewegt sich jedoch auf einem eher niedrigen Gesamtniveau. »Die Problematik sollte nicht verharmlost werden, auch wenn sie momentan in Sachsen, Thüringen und Teilen Bayerns weit gravierender ist«, sagte ein Sprecher des Landeskriminalamts. »Wir sind sensibel und beobachten die Szene genau.« 

Ständig unter Strom

»Wir haben in der Psychiatrie und Psychotherapie sehr wenige Crystal Meth-Fälle«, sagte Professor Anil Batra, Leiter der Abteilung Suchtmedizin und Suchtforschung der Uniklinik Tübingen. Insgesamt etwa fünf Fälle gab es in der Fachklinik Drogenhilfe in den vergangenen zwei Jahren. Bei 200 Aufnahmen pro Jahr ist das noch überschaubar. Zum Vergleich: In der bayerischen Klinik Schloss Eichelsdorf sind 60 bis 70 Prozent der Patienten wegen Crystal-Meth-Abhängigkeit in Therapie. 
»Ich bin erstaunt, dass die Droge noch nicht zu uns übergeschwappt ist. Eigentlich sind es ja nur ein paar Hundert Kilometer«, wunderte sich der Tübinger Klinikleiter Johannes Schönthal. Anfällig für Crystal Meth seien vor allem Jugendliche, die mit illegalen Drogen experimentieren und noch leicht verführbar sind. Seine Crystal-Meth-Patienten in Tübingen seien massiv auffällig in ihrem Verhalten gewesen und psychisch völlig durch den Wind. »Die standen ständig unter Strom, hatten eine innere Unruhe«, sagte Schönthal. Die angeblich typischen Verwahrlosungsanzeichen wie unreine Haut und ausfallende Zähne hat er aber nicht festgestellt. 
Beliebt bei jüngeren Konsumenten sind in der Region sogenannte »Legal Highs«. Diese Kräutermischungen mit psychoaktiven Substanzen werden inhaliert und führen zu einem psychotischen Abdriften. »Das ist ein großes Problem«, sagt Köpfle, »denn man weiß nicht, welche Wirkstoffe in den Mischungen enthalten sind.« Diese Entwicklung bereitet auch den LKA-Ermittlern der Abteilung Organisierte Kriminalität und Rauschgiftkriminalität derzeit Sorge. In Baden-Württemberg häuften sich in jüngerer Vergangenheit schwere, lebensgefährliche Intoxikationen; innerhalb von drei Monaten kam es 2014 sogar zu drei Todesfällen. (GEA)

 

26.03.2015 Suchttherapie: In Schritten hin zur Abstinenz

TÜBINGEN. Der Wandel von Abstinenz zur Reduktion in der Therapie steht im Fokus der Suchttherapietage. Diese werden vom 25. bis 27. März von der Uniklinik Tübingen zum zwanzigsten Mal veranstaltet. »Während beim Alkohol nicht jedes Glas schlecht ist, ist jede Zigarette sofort schädlich«, erklärte Anil Batra, Ärztlicher Leiter der Uniklinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Er leitet gleichzeitig die Abteilung Suchtmedizin und Suchtforschung. In Tübingen diskutieren dieser Tage über 300 Fachleute aus Praxis und Wissenschaft unter dem Motto »Suchttherapie im Wandel der letzten zwei Jahrzehnte«. Neben Vertretern aus Medizin sind auch Pharmakologen, Psychologen, Sozialarbeiter und im Bereich der Justiz tätige Personen dabei.
Am Mittwochvormittag wurden neuste Erkenntnisse aus der Neurobiologie diskutiert. Andreas Heinz von der Berliner Charité führte aus, dass genetische Faktoren die Suchtentstehung fördern. Damit gemeint ist weniger ein »Sucht-Gen«, vielmehr Eigenschaften wie Neugier und Belastbarkeit. Sie führen zum Ausprobieren und oft zum »Hängenbleiben« auf den Suchtmitteln. An Tiermodellen wurde erforscht, dass das soziale Umfeld und die Werbung weniger relevant sind, als bisher angenommen. Es scheint bei Süchtigen eine Art Belohnungszentrum im Gehirn zu geben, das den Drogenkonsum unvermeidbar macht. Batra erklärte, bei einem Aschenbecher oder einer auf einem Verbotsschild abgebildeten Zigarette denke beispielsweise ein Raucher sofort daran, sich eine anzuzünden. 

Die Moral beiseite lassen

Neben der Frage, warum jemand abhängig wird, geht es heute in der Entwöhnung auch darum, die Moral beiseitezulassen und eine Therapie zu entstigmatisieren. Neben dem Schamgefühl, sich selbst und anderen eine Sucht einzugestehen, hielt bisher viele Abhängige auch die Vorstellung von einer lebenslangen Abstinenz von einer Therapie ab. Seit Januar diesen Jahres gibt es neue Behandlungsleitlinien für die Suchtentwöhnung. Primäres Ziel ist weiterhin die Abstinenz von der jeweiligen Droge. Jedoch wird in der Therapie nun verstärkt zur Reduktion geraten. 
Das bedeutet, sowohl Raucher als auch Trinker können weitermachen – nur eben auf geringerem Niveau und mit einem Placebo. Die so ablaufende langsamere Entwöhnung hat sich in der Praxis bereits bewährt. Und dadurch wird die Schwelle niedriger, etwas gegen die Sucht zu unternehmen. »Die Leitlinie wurde von den Ärzten zuerst akzeptiert, später aber von einer Soll- zu einer Kann-Empfehlung heruntergestuft«, erklärte Klaus Mann von der Uni Mainz. »Es ist viel einfacher, eine schrittweise Reduktion zu vermitteln, als eine komplette Abstinenz. Die Rückfallquote ist bei beiden Behandlungswegen gleich hoch.« Mann verwies auf Studien, wonach die Gesellschaft Geld spart, wenn in Behandlung von Alkoholabhängigen investiert wird. In Krankenhäusern sind alkoholbezogene Störungen bei Männern der häufigste Grund für die Einweisung, was hohe Kosten verursacht. Die Therapie ist da vergleichsweise billig. Derzeit begeben sich nur 10 bis 15 Prozent der Alkoholkranken in Therapie. 
Ähnlich sieht es bei Rauchern aus: Deren Behandlungen, führte Batra aus, seien im Schnitt 1,5 bis 1,7 Mal teurer als bei Nichtrauchern. Die Kosten stätionärer Behandlungen, damit einhergehende Produktions- und Arbeitsausfälle eingerechnet, betrügen in Deutschland 21 Milliarden Euro. »Da gibt es eine kleine Deckungslücke zu den Einnahmen aus der Tabaksteuer in Höhe von 14,3 Milliarden Euro«, frotzelte Batra. Er kann nicht verstehen, weshalb Krankenkassen Beratungen und Entwöhnung von Tabak bislang nicht bezahlen. 
Die Experten diskutieren in Tübingen auch über Glücksspiel- und Computerspielsucht. Beim Glücksspiel sei Abstinenz weiterhin angezeigt. Gesetzliche Regulierungen helfen: In Frankreich, wo private Casinos und einarmige Banditen verboten sind, gebe es nur halb so viele pathologische Spieler wie hierzulande. 
Insgesamt geht die Tendenz in der Suchttherapie zum »liberaleren Umgang«, wie Mann erklärte. Reduktion sei realistischer und damit besser, als stets totale Abstinenz zu fordern. Letztlich gelinge es damit, mehr Leute ins System der Entwöhnung zu holen und so insgesamt größere Erfolge zu erzielen. (GEA) 

01.02.2015 Tübingen-Krimi in Vorbereitung

Momentan bereite ich einen Tübingen-Krimi vor. Ein komplett neues, eigenständiges Projekt, das sehr zeitintensiv ist und gut gelingen soll. Daher gibt es hier auf der Homepage und auch bei Facebook ein paar Einträge weniger als gewohnt. Ich versuche weiterhin, euch auf dem Laufenden zu halten, aber bitte seht mir nach, wenn ich etwas seltener hier zum Schreiben komme!

26.01.2015 Mobbing bei Aldi - Buchauszüge bei Huffington Post

Mobbing ist bei Aldi verbreitet. Wer gehen soll, wird oft schikaniert. Manager des Discounters versuchen so, geltendes Arbeitsrecht zu beugen und den Mitarbeiter von selbst zum Gehen zu bewegen oder aber einen für das Unternehmen kostengünstigeren Aufhebungsvertrag abzuschließen. Ungünstigere Arbeitszeiten, Versetzungen, konstruierte Kritikpunkte und inflationäre Abmahnungen, um nur einige Punkte zu nennen, sind gängig.

Ich könnte zahllose Fälle und Beispiele aufschreiben, sie würden sich im Grunde alle ähneln. Fast in allen Trennungsprozessen, die ich seither verfolge und selbst erlebt habe, spielen solche Methoden im Vorfeld eine Rolle. Der Mitarbeiter soll mürbe gemacht und weichgekocht werden. Die Kreativität der Billig-Manager, die ansonsten gern nach "Schema F" arbeiten, kennt da manchmal keine Grenzen.

Franziska B., zum Beispiel, wurde mit erfundenen Vorhaltungen und üblen Gerüchten terrorisiert. Nach zwei Jahren Ausbildung bei Nordsee absolvierte sie ihr drittes Lehrjahr bei Aldi Süd und wurde anschließend befristet für ein Jahr übernommen. Als sie sich für eine junge Kollegin einsetzte, die wiederholt von Führungskräften im Laden angeschrien wurde, geriet sie selbst ins Visier. "Es musste ein neuer Sündenbock her, an dem der Druck abgelassen werden konnte", sagt die Verkäuferin.

Seither wurden bei ihr Fehler gesucht und penibel notiert.

Die Protokolle liegen mir vor. Mal soll sie ein Preisschild falsch aufgehängt, mal sich in einem Kleinbeleg vertippt haben und mal zu kulant zu Kunden gewesen sein. Immer wieder wurde sie zu Gesprächen ins Büro zitiert. Anfänglich wehrte sie sich noch, irgendwann resignierte sie. Ihre lokale Vorgesetzte streute das Gerücht, Frau B. sei magersüchtig, gar an Bulimie erkrankt, und die junge Frau habe einen Waschzwang. Es sei nicht normal, wie oft sie sich nach der Arbeit an der Kasse die Hände wasche.

Die Filialleiterin soll demonstrativ nach B.s Pausen die Mülleimer daraufhin kontrolliert haben, ob sie etwas von ihrem Essen weggeworfen hatte. Auch wie lange sie auf der Toilette war, wurde kontrolliert: "Zum Kotzen?"! Die Filialleiterin, erzählt Frau B., habe sich vor die Tür gestellt und ihr hinterher vorgeworfen, das Wasser sei zu lange gelaufen.

"Geh mal zum Psychiater", soll die Marktleiterin mit Rückendeckung von oben gesagt haben.

"Ich bin schon immer so dünn", entgegnete B. "Dann sind Sie ja schon immer so krank im Kopf." Dabei habe sie bei Aldi sogar noch zwei Kilo zugenommen, sagt Frau B.

Schließlich wollte die Bereichsleiterin mit Franziska B. "eine gemeinsame Lösung" finden. Bei Aldi heißt das bekanntermaßen: Auflösung. Aber Frau B. unterschrieb nicht.

Es seien Gerüchte im Umlauf über ihre Magersucht, behauptete die Bereichsleiterin. Ihr Verhalten sei "unzumutbar", B. zeige keine "Dankbarkeit". Man werde Mittel und Wege finden, den Vertrag zu beenden, soll die Bereichsleiterin noch gedroht haben, was aber nicht gelang. Franziska B.s Vertrag lief im Juni 2012 einfach aus.

Heute arbeitet sie in einem Autohaus und sagt: "Zum Glück bin ich draußen, raus aus diesem Höllenloch." Aldi räumte die Vorwürfe von Franziska B. auf Anfragen des ZDF sogar ein, erklärte aber, man habe sie bislang nicht gekannt.

Ein weitaus perfideres Beispiel aus der Region Stuttgart: "Ich hatte mich nach einem neuen Arbeitgeber umgesehen, und dies ist bei Aldi unter Strafe gestellt. Ich sollte gehen, am besten von alleine. Um mich noch mehr psychisch unter Druck zu setzen, musste ich in Zivilkleidung Rattengift kaufen und dies im Bereich Container / Warenanlieferung verteilen. Unter den belustigten Augen des Filialleiters, der wusste, dass ich eine Rattenphobie habe. Und dort gab es Ratten.

Die ‹braven› Mitarbeiterinnen mussten dann, wenn wieder Ratten gesichtet wurden, nie Kartonagen oder Abfälle entsorgen gehen, denn da gab es ja Ratten. Kammerjäger wurden nie gerufen, der ‹gute› Ruf von Aldi ... " Ratten bei Aldi? In allen Betrieben, die mit Lebensmitteln arbeiten, kann es hin und wieder zu Schwierigkeiten mit ungebetenen Gästen kommen. Wie mir allerdings mehrere Mitarbeiter und ein Lokaljournalist übereinstimmend berichten, gab es offenbar in der Region Stuttgart über einen längeren Zeitraum hinweg ein massives Rattenproblem, das von Aldi vertuscht wurde.

Ein Mitarbeiter erinnert sich: "Die ganze Rattenproblematik dauerte etwa 6 bis 12 Monate, überwiegend im Jahr 2008 (...) an, aber soweit ich weiß, wurde das nie öffentlich bekannt. Die Ratten wurden bei uns meistens mit dem Toilettenpapier und mit den Kartoffelprodukten, vor allem mit den Chips, ausgeliefert. Sie wurden aus dem Zentrallager lebendig in die Filialen geschickt. Dort vermehrten sie sich und breiteten sich aus. Einige Kunden sprachen uns darauf an, aber wir stritten natürlich alles ab. Wir hatten häufig das Problem, dass sie nachts die Bewegungsmelder auslösten. Ein Mitarbeiter musste dann in die Filiale fahren, zusammen mit der Polizei reingehen und meistens den Alarm wieder zurücksetzen, weil ihn ja nur die Tierchen ausgelöst hatten.

Ein Bild werde ich nie vergessen: Als der Kammerjäger bei uns in der Filiale war und sein Rattengift, einen Blutverdünner, verteilt hatte, fand ich nach ein paar Stunden etliche Ratten um die Papierpresse herum verteilt. Alle tot. Ich weiß nicht mehr, wie viele es waren, vielleicht 50. Ein Horror!"

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem Buch Inside Aldi & Co.
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rororo
144 Seiten
ISBN 978-3-499-63056-9


http://www.huffingtonpost.de/andreas-straub/mobbing-bei-aldi-ein-ex-mitarbeiter-packt-aus_b_6547950.html?utm_hp_ref=germany 

08. - 12.11.2014 Bayerische Akademie des Schreibens

Anfang November nehme ich am ersten Teil des Krimi-Seminars der Bayerischen Akademie des Schreibens teil. Ich habe mich mit einem komplett neuen Projekt dort beworben und bin gepannt auf die anderen Teilnehmer und deren Projekte. Geleitet wird das Seminar von Autorin Zoe Beck und Zeit-Kritiker Tobias Gohlis.

24.09.2014 Lesung an der VHS Rottenburg

Heute lese ich aus meinen Büchern an der VHS Rottenburg!
Auf Einladung meiner ehemaligen Schule, dem Eugen-Bolz-Gymnasium, und der Volkshochschule werde ich aus beiden Aldi Büchern lesen und auch auf einige aktuelle Entwicklungen Bezug nehmen. Danke ans Tagblatt für die freundliche Ankündigung.  

12.07.2014 Neue Designs, neue Shirts bei GreySolid


Wir sind sehr stolz auf unseren Re-Launch: coolere Motive und eine neue Website.

Jetzt checken auf www.greysolid.de

08.07.2014 Bericht über Strafbefehle für Aldi-Mitarbeiter

Angestellte misshandelt – Strafbefehle für Aldi-Mitarbeiter

Die Freiburger Staatsanwaltschaft hat gegen sechs Mitarbeiter des Discounters Aldi Süd beim Amtsgericht Ettenheim Strafbefehle beantragt. Ihnen wird vorgeworfen, im Zentrallager in Mahlberg Auszubildende misshandelt zu haben.

Die Lehrlinge sollen unter anderem mit Frischhaltefolie an einen Pfosten gefesseltworden sein, das Gesicht soll mit Filzstiften beschmiert worden sein, auch von Drohungen ist die Rede gewesen. Im Herbst 2013 hatte Andreas Straub, ein ehemaliger Manager des Konzerns, diese Vorwürfe enthüllt. Er hat ein Buch über seine Zeit bei Aldi geschrieben.

Das Unternehmen, das als sehr verschlossen gilt, hatte in diesem Fall prompt reagiert, die Vorwürfe bestätigt und sich bestürzt gezeigt. "Die Strafbefehle wurden fünfmal wegen Freiheitsberaubung, einmal wegen Freiheitsberaubung in Tateinheit mit Nötigung beantragt", sagt der Pressesprecher der Freiburger Staatsanwaltschaft, Michael Mächtel.

Ende der Woche läuft die Einspruchsfrist ab


Der Richter in Ettenheim hat den Antrag geprüft, Strafbefehl erlassen und diesen den Beschuldigten zugestellt. Es sollen Geldstrafen von 25 bis 50 Tagessätzen verhängt werden, die Höhe richtet sich nach dem jeweiligen Nettoeinkommen. In zwei Wochen wird der Strafbefehl rechtskräftig, die Einspruchsfrist läuft Ende dieser Woche ab. Noch hat keiner der beschuldigten Aldi-Mitarbeiter Einspruch erhoben, berichtet Mächtel. 

Quelle: http://www.badische-zeitung.de/mahlberg/angestellte-misshandelt-strafbefehle-fuer-aldi-mitarbeiter--87219552.html 

05.05.2014 MDR um Vier: Gäste zum Kaffeee

Montag, 5. Mai: Andreas Straub, Autor und Betriebswirt

Andreas Straub
Andreas Straub

Detektivserien haben Kultstatus! Deshalb taucht der SPIEGEL-Bestsellerautor Andreas Straub in die Welt der Schnüffler ab und beschreibt in seinem neuen Buch "Detektiv Pröller" reale Ermittlungs- und Profiler-Methoden. Monatelang recherchierte der 29-jährige studierte Betriebswirt dafür und gab sich dabei bei diversen Detektivkanzleien als potentieller Klient aus - mal als misstrauische Privatperson, mal als Manager eines dubiosen Unternehmens. Für Aufsehen sorgte er bereits 2012 mit seinem Enthüllungsbuch "Aldi- einfach billig".

http://www.mdr.de/mdr-um-4/gaeste-zum-kaffee/artikel123776.html

24.04.2014 Der Münchener Merkur über Detektiv Pröller

Münchener Merkur: Unsere Kurzkritiken

"Detektiv Pröller? Ein Vollprofi. Zumindest für Autor Andreas Straub, der so die Hauptfigur seines gleichnamigen Buches genannt hat. Mit unkonventionellen Methoden löst Pröller in München, Berlin oder Hamburg einen Fall nach dem anderen. Steht sich dabei aber oft selbst im Weg. Durch seine Alkohol-Leidenschaft strandet er regelmäßig in einer Bar, was zu absurden Situationen führt. Ein unterhaltsames Buch, zumal es nicht nur die Sonnen-, sondern auch die Schattenseiten des Detektivlebens zeigt. Lesenswert: 4 Sterne" 

10.04.2014 Vorbereitungen für neues Buch

Ich arbeite gerade unter anderem an einem neuen Buch, das im Frühjahr 2015 erscheinen soll. Dieses Projekt hat nichts mit den bisherigen Veröffentlichungen zu tun. Es ist sehr aufwendig in der Recherche und vor allem im Schreiben. Deshalb ist es auf meinen Internetseiten, bei Facebook, usw. zur Zeit recht ruhig. An einigen bisherigen Themen bleibe ich natürlich weiterhin dran! Auf bald!

 

04.03.2014 Vertretung durch Liepman AG


Ab sofort meine Vertretung für alle Publikationen in Buchform (bitte keine Anfragen von Privatpersonen an diese Adresse):


Liepman AG Literary Agency

Englischviertelstrasse 59

CH - 8031 Zürich

Tel. + 4143-2682380

Fax + 4143-2682381

info@liepmanagency.com

www.liepmanagency.com


 

20.02.2014 Mr. Wash – Sauberes Auto, gute Laune?

Wichtige Information für aktuelle und ehemalige Beschäftigte von Mr. Wash

In der vergangenen Woche erschien ein kritischer Bericht über Mr. Wash im Stern.

Schon der zweite in einem größeren Format, nach diesem von meinem lieben Kollegen Heiko Rahms:

http://www.youtube.com/watch?v=QGeTQQhRnGA

Die Resonanz war auch diesmal überwältigend: zahlreiche weitere Informanten meldeten sich beim Stern und bei mir.

Ich möchte deshalb aus aktuellem Anlass darum bitten, nicht mehr bei meinen Verlagen anzurufen: die Damen aus den Presseabteilungen haben genug Arbeit und sind nur für meine Bücher, nicht für andere Veröffentlichungen zuständig. Sie sind aufgrund der Vielzahl von Anfragen auch angewiesen, meine Handynummer prinzipiell nicht herauszugeben.

Wer jedoch weitere Informationen für mögliche Folgeberichte über die Mr. Wash AG und deren Geschäftspraktiken hat, kann sich gerne per eMail an mich wenden:

kontakt@andreasstraub.com

Können Sie den Bericht über Mr. Wash teilen? Ist es möglicherweise noch schlimmer? Oder besser? Wie ist es Ihnen ergangen? Was haben Sie mit der Waschanlagenkette erlebt? Eigene Erfahrungen, Meinungen, relevantes Material oder allgemeines Feedback gerne an diese Adresse. Normalerweise schaffe ich es, zügig zu antworten und ggf. ein Telefonat oder ein persönliches Treffen zu verabreden. 

Mr. Wash hat zwar längst nicht die Relevanz von Aldi, aber ich werde auch hier dranbleiben, wenn es sein muss - versprochen!


 

13.02.2014 Überwachung und Kontrolle extrem

Big Brother bei Mr. Wash - Mitarbeiter systematisch bespitzelt

 

Bespitzelung am Arbeitsplatz: Die Autowasch-Kette Mr. Wash überwacht ihre Beschäftigten nach stern-Recherchen systematisch mit Kameras - ein schwerer Verstoß gegen das Arbeitsrecht.

von Johannes Röhrig und Andreas Straub

Nach Informationen des stern hat der Essener Waschstraßen-Betreiber Mr. Wash in seinen Niederlassungen über 100 Webcams installiert, die via Internet aus der Firmenzentrale angesteuert werden. Arbeitsplätze sowie Pausenräume können auf diese Weise permanent überwacht werden. Sogar in den Gruben der Ölwechselstationen sind kleine Kameras angebracht.

Bei Mr. Wash arbeiten rund 800 Menschen in den bundesweit 33 Niederlassungen. Über die Kameraüberwachung wurden lediglich die Filialleiter in Kenntnis gesetzt, nicht aber der Rest der Mitarbeiter. Das Kamerasystem wurde Insidern zufolge schon vor Jahren installiert und fortlaufend auf Stand gehalten.

Eine solche Form der Arbeitsplatz-Kontrolle ist ein Eingriff in das Persönlichkeitsrecht der Betroffenen und nicht erlaubt. "Versteckte Überwachung ist ein schwerwiegender Verstoß", sagt Nils Schröder, Sprecher des Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit in Nordrhein-Westfalen, dem stern. Das Bundesdatenschutzgesetz sieht dafür hohe Bußgelder vor. In der Vergangenheit hatten bereits Unternehmen wie Lidl und Aldi mit Spitzelskandalen Schlagzeilen gemacht.

Vom stern konfrontiert, gibt Mr. Wash an, nicht gezielt Mitarbeiter, sondern die "Situation in ausgewählten Bereichen unserer Niederlassungen" zu beobachten. Es liege "in der Natur der Sache, dass im Erfassungsbereich dieser Kameras auch Personen zu erkennen sind".

 http://www.stern.de/wirtschaft/news/stern-exklusiv-big-brother-bei-mr-wash-mitarbeiter-systematisch-bespitzelt-2089438.html

21.01.2014 Detektiv Pröller geht in den Druck

Ab heute geht "Detektiv Pröller - Unerhörtes aus dem Alltag eines Privatermittlers" in den Druck!
Gerade wurden noch die allerallerletzten Korrekturen berücksichtigt, nun ist es endlich geschafft: ab 15.02.2014 in allen deutschen Buchhandlungen!

Hier die Verlagsbeschreibung:

EIN PRIVATERMITTLER
BLICKT ZURÜCK:
AUTHENTISCH UND HUMORVOLL

»Seriös, kompetent und einsatzbereit« – so wirbt
Pröller für Pröller. Der versierte Privatdetektiv blickt
zurück auf ein ereignisreiches Jahr, in dem ihm wieder
große Konzerne, Anwälte und Privatpersonen
vertrauten, als sie selbst nicht mehr weiter wussten.
Ob in München, Berlin, Hamburg, Essen, Stutt -
gart, Frankfurt oder im Schwarzwald – Pröller
ermittelt überall und nicht einmal im verdienten
Ägyptenurlaub kann er sich entspannen.
Kein Auftrag ist ihm zu heikel, kein Fall zu brisant.
Pröllers Methoden sind ungewöhnlich, aber auch
ungewöhnlich erfolgreich. Denn sie haben ihn bei
seiner geheimdienstlichen Ausbildung zu dem werden
lassen, der er ist: ein knallharter Ermittler, ein
Vollprofi.

 

01.01.2014 Ein neues Jahr beginnt

"To a great min, nothing is little."

"There are no fools so troublesome as these of the mind."

Arthur Conan Doyle

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern meines Blogs und den regelmäßigen Besuchern meiner Homepage in diesem Sinne ein glückliches und gesundes neues Jahr! 

10.11.2013 REZEPTFREI Apothekengeschichten mit Risiken und Nebenwirkungen

Demnächst: Lesungen von Karin Wahl in Stuttgarter Apotheken! Wir dürfen gespannt sein, der SWR hat sich bereits angekündigt!

Ein Kunde sagt auf Amazon:
 
5.0 von 5 Sternen Rezept gegen Nebenwirkungen: Weiterlesen! 29. Juli 2013
Format:Broschiert
Erst dachte ich, es ist mal wieder so ein Enthüllungsbuch. Diesmal eben über Apotheken und deren Machenschaften.
Nach den ersten Zeilen jedoch war ich fasziniert. Es ist ein Enthüllungsbuch, allerdings von einer ganz anderen Sorte.
Man kennt Apotheken nur vom Rezeptabholen, trifft dort oft auch Menschen jeder Alters- und "Sozial"-Klasse, wird meist freundlich bedient und erhält hin und wieder gute Ratschläge zur Gesundheit und der Anwendung des verschriebenen Medikamentes. Man nimmt es als selbstverständlich hin.
Durch das Buch erfährt man aber viel mehr. Man bekommt einen Blick hinter die Kulissen einer Apotheke geschenkt - ein "Schmelztiegel". Es gibt menschliche Tragödien, Schicksalsschläge, aber auch Glücksmomente und viel Lustiges und das alles wird im Buch wie aus dem Leben gegriffen beschrieben. Wenn das Buch auch manchmal nachdenklich stimmt, ist es herrlich zu lesen. Voller Abwechslung und nie eintönig. Man mag es nicht mehr aus der Hand legen. Nur zu empfehlen!


Hier die Verlagsbeschreibung:

In REZEPTFREI berichtet Karin Wahl aus ihrem abwechslungsreichen Alltag als Apothekerin, Kollegin, Geschäftsfrau und Seelsorgerin. Ob Junkies, Dealer, übergewichtige Hausfrauen, Menschen mit Sprachbarrieren, tablettensüchtige Manager oder einsame Rentner: Alle werden diskret und fachkundig bedient. Der Alltag könnte manchmal trist sein, wären da nicht besondere Kunden wie Frau Mulde. Es gibt nervige und dumme Kunden, es gibt nervtötende und strohdumme Kunden, und es gibt den Superlativ all dessen, Frau Mulde eben. Sie ruft beinahe täglich an, um irgendetwas zu fragen, was sie ganz genau und unbedingt sofort wissen möchte.
Diese 62 spannenden und unterhaltsamen, aber auch skurrilen und bisweilen nachdenklich stimmenden Anekdoten ermöglichen erstmals einen Blick hinter die Kulissen des Apotheker-Berufs. Es sind kurze Episoden, die das echte Leben geschrieben hat. Karin Wahl erzählt lakonisch und ohne Schnörkel, mit viel Wissen und hintergründigem Humor. Ein detailliertes Glossar rundet ihre Apothekengeschichten ab.

20.10.2013 Die menschliche Dummheit ist unendlich


Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.

Albert Einstein


Der Beweis auf meiner Facebookseite!

 

PW:

Manager??? Ich würde ja mal sagen Bezirksleiter, oder nicht???

Man sollte sich nicht wichtiger machen als man ist.

Und es ist schon komisch, das der Skandal passend zu Ihrem neuem Buch in den Medien erscheint, oder nicht?

Waren sie nicht in der Lage vernünftige Verhandlungen für Ihre Abfindung zu führen?
 

PS:

ja,schon traurig über einen alten arbeitgeber,dem man ja eigentlich den rücken gekehr hat,weiter geld zu scheffeln.und dann noch das kommentar an fr.wächter.traurig traurig traurig...

 

08.10.2013 Heute Abend zu Gast in der SWR Landesschau

GastAndreas Straub, Ex-Aldi-Manager packt aus

in der Sendung am Dienstag, 8.10. | 18.45 Uhr | SWR Fernsehen in Baden-Württemberg

Die Misshandlungen von Aldi-Auszubildenden im Auslieferungslager Mahlberg hat schockiert. Andreas Straub hat die Ausschreitungen publik gemacht. Er war vier Jahre bei Aldi beschäftigt und hat tiefe Einblicke in den sonst so um Verschwiegenheit bemühten Discounter erhalten.

Andreas Straub, Jahrgang 1984, war von 2007 bis 2011 bei Aldi Süd beschäftigt. In dieser Zeit arbeitete er im Unternehmen als Trainee und Bereichsleiter, wodurch er die Betriebsstruktur und Arbeitskultur des beliebtesten Discounters der Deutschen bestens kennengelernt hat. Ein Wissen, das er nicht für sich behalten hat: Ein Jahr nach der Veröffentlichung seines ersten Buchs "Aldi - einfach billig" folgt nun die Fortsetzung "Inside Aldi & Co." in der Straub weitere Enthüllungen aus dem deutschen Einzelhandel liefert. Und nicht nur bei Aldi, sondern auch bei Edeka, Netto, Lidl und vielen weiteren Konzernen liegt einiges im Argen, so Andreas Straub.

Eines der Beispiele aus dem Buch: Im Aldi-Auslieferungslager Südbaden in Mahlberg wurden junge Auszubildende mit Frischhaltefolie eingewickelt und mit schwarzer Farbe angemalt. Der Aldi-Konzern hat die Vorwürfe inzwischen bestätigt, die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Andreas Straub spricht in der Landesschau darüber, was sich im Einzelhandel verändern müsste und erzählt von seinen ganz persönlichen Erlebnissen in der Arbeitswelt der Discounter.

Buch

Inside Aldi & Co.
Andreas Straub
Verlag:
Rowohlt Sachbuch
Preis:
7,99
Bestellnummer:
978-3499630569
 
Wiederholung:
am 09.10.2013, 05.00 Uhr im SWR Fernsehen
am 09.10.2013, 10.15 Uhr im SWR Fernsehen

26.09.2013 Aldi Geschäftsführer entschuldigt sich persönlich bei Betroffenen

Gestern hat sich der neue Geschäftsführer von Aldi Mahlberg persönlich bei zwei Opfern der Folienwickler und Eddingschmierer gemeldet. Er ist erst seit kurzem dort zuständig und um Aufklärung bemüht. In längeren Telefonaten erläuterten ihm die Betroffenen noch einmal ihre Sichtweise. Der Aldi-Geschäftsführer wollte unbedingt mit ihnen einzeln unter vier Augen sprechen, was sie aber ablehnten, da sie bereits anwaltlich vertreten werden.

Die Aldi-Führung hat zunächst in gewohnter Weise hart durchgegriffen: neben den Verantwortlichen wurden auch drei Lagermitarbeiter entlassen, was meines Erachtens übertrieben ist. Sie handelten in erster Linie auf Anweisung ihrers Vorgesetzen und nicht aus eigenem Antrieb. Allerdings wurden ihnen bezahlte Freistellungen und Abfindungen gewährt. Und der eine oder andere ist, dem Vernehmen nach, nicht sooo unglücklich über seinen Abgang.

Vielleicht hat diese krasse Pfosten-Geschichte insgesamt doch mehr bewirkt, als ich zunächst vermutet hatte. Ursprünglich wollte ich sie im Zusammenhang mit einem Kündigungsfall mit dem zuständigen Prokuristen nur telefonisch besprechen und ihm die Möglichkeit zur internen Klärung geben. Da dieser sich aber erst verleugnen, später dann seine Sekretärin „keinen Bedarf“ ausrichten ließ, habe ich mich zur Veröffentlichung entschlossen.

Es gäbe noch einiges mehr über das Zentrallager in Mahlberg zu erzählen und zu schreiben, gerade auch über den Verkaufsbereich. Hier erreichen mich derzeit haufenweise Informationen. Und da ist nichts mit Friede, Freude, Eierkuchen. Aber ich will davon Abstand nehmen, auch weil ich erkenne, dass hier ein frischer Wind weht und sich Aldi offenbar auch strukturell bemüht, solche Fälle in Zukunft auszuschließen.

Also: Respekt, Herr Geschäftsführer!

22.09.2013 Festgebunden und angeschwärzt

Azubis in Aldi-Zentrallager „festgebunden und angeschwärzt“

Discounter bestätigt Vorwürfe und zieht Konsequenzen

Frankfurt, 20. September. Der einstige Aldi-Bereichsleiter Andreas Straub hat sich nach seiner Kündigung 2011 auf die Fahnen geschrieben, das „System Aldi“ zu enthüllen. Im vergangenen Jahr veröffentlichte er sein erstes Buch „Aldi – einfach billig“. Es erreichte schon deshalb viel Aufmerksamkeit, weil der Discounter als eines der verschlossensten Unternehmen der Republik gilt. Nun legt der 29 Jahre alte frühere Manager nach. Im Oktober erscheint der Band „Inside Aldi“, mit „neuen Fallbeispielen und Geschichten“. In einem Kapitel, das dieser Zeitung vorliegt, schildert Straub unter der Überschrift „Festgebunden und angeschwärzt“, „was Auszubildende in einem Aldi-Zentrallager erdulden mussten“. Der Mülheimer Discounter selbst äußerte sich auf Anfrage „entsetzt“ und bestätigte die Vorwürfe im Kern.

Im Zentrum steht das Warenlager Mahlberg bei Freiburg. Einst dort tätige Azubis erzählten Straub von unglaublichen Verhältnissen. Der heute 20 Jahre alte Patrick H. aus Lahr im Schwarzwald berichtete von einem schikanösen Ritual, das an schlagende Studentenverbindungen erinnert. Demnach haben ihn Kollegen im Juni 2012 mit Verpackungsfolie an einen Pfeiler festgebunden, „dass ich kaum mehr atmen konnte“. Der stellvertretende Bereichsleiter Thomas K. habe dann sein Gesicht mit einem wasserfesten Edding-Stift bemalt. Zur Begründung hieß es, er sei zu frech gewesen. Später sei ihm angedroht worden, ihn in das minus 20 Grad kalte Tiefkühlabteil zu sperren.

Es scheint kein Einzelfall zu sein: Weitere Azubis berichten von ähnlichen Vorfällen in Mahlberg. Im Gespräch mit dieser Zeitung sagte Straub, zunächst selbst Zweifel gehabt zu haben, ob es sich nicht nur um einen Jungenstreich handele. Es soll aber Fotos und Videos der Aktion geben, die sogar auf Facebook gepostet worden seien. Straub, der 2012 die Arbeitsbedingungen im Unternehmen scharf kritisierte, sieht sich nun bestätigt. „Das System Aldi basiert auf der Angst der Mitarbeiter, es ist anfällig für solche Geschichten.“

Die Unternehmensgruppe Aldi Süd reagierte am Freitagabend per Mail: „Zu unserer Bestürzung hat sich durch interne Recherchen gezeigt, dass das beschriebene Geschehen in seiner Kernaussage der Wahrheit entspricht. Wir bedauern diesen Vorfall im Logistikzentrum Mahlberg, der sich nach unseren Recherchen zum Jahreswechsel 2012/2013 zugetragen hat, zutiefst und sind äußerst betroffen.“ Man habe das Geschehen weiter aufgeklärt. Sowohl die leitenden Verantwortlichen als auch die aktiv an der Tat beteiligten Mitarbeiter seien „bereits zur Rechenschaft gezogen worden“. 

aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Ausgabe vom Samstag, den 21. September 2013

20.09.2013 Insider packen aus - "Fesselspiele" inklusive!

Umschlagstext des neuen Buches:

Als im Frühjahr das Buch «Aldi. Einfach billig» (rororo 62959) erschien, war das Aufsehen beträchtlich. Zum ersten Mal erfuhr die Öffentlichkeit Näheres über das Innenleben des Discounters. Extremer Arbeitsdruck, Einschüchterung und Willkür, Entlassungen als Personalpolitik, Kostendruck und umfassende Kontrolle: Medien und Öffentlichkeit waren von Straubs Insider-Bericht schockiert.

Und wie ist es heute, gut ein Jahr später, im 100. Aldi-Jahr? Viel hat sich nicht geändert, konstatiert Straub, der nach seinem Buch Hunderte von Rückmeldungen weit über die Aldi-Welt hinaus bekommen hat und zahlreichen neuen Berichten nachgegangen ist. Dieses Buch schildert einige von ihnen, und sie sind schockierender noch als zuvor: von menschenverachtenden «Fesselspielen» mit Azubis in einem Aldi-Zentrallager über Mobbing mit Ratten bis zu einer getürkten Aldi-Wette bei «Wetten, dass ..?», von Psychoterror gegen Mitarbeiter, die einfach nur ihr verbrieftes Recht wahrnehmen wollen. Straub blickt auch über den Aldi-Tellerrand hinaus. Anderswo ist es oft nicht besser, wie Blicke auf Edeka, Netto, Fressnapf und einige andere Filialisten zeigen. Aber es gibt auch Positives zu berichten: und zwar von Lidl.

15.09.2013 TV-Tipp für morgen: RTL Extra

RTL-Extra: Wallraff Undercover
Der Enthüllungsjournalist kehrt als Paketfahrer in die Branche zurück

Wir dürfen gespannt sein, was Günter Wallraff wieder herausgefunden hat. Was hat sich geändert in der Branche, die schon mehrfach in der Kritik stand und die erst letztes Jahr noch Besserung gelobte?  

Mo, 16.09.2013 um 22.15 Uhr bei RTL Extra

18.08.2013 Neues Buch: INSIDE ALDI UND CO.

Der Bestseller wird fortgesetzt!
Inklusive einiger neuer Geschichten aus der Discounterwelt!
Was ist los im deutschen Einzelhandel? Nach seinem Bestseller "Aldi - Einfach
billig" über Arbeitsdruck, Einschüchterungen, Willkür und Kontrollwut bei Aldi
erreichten Andreas Straub hunderte von Insider-Berichten - weit über den
Discounter hinaus. Vielen davon ging der Autor für dieses Buch gründlich nach -
und stieß "inside Aldi" auf entwürdigende Zustände, die zeigen, dass sich an dem
Klima, welches sie möglich macht, kaum etwas geändert hat: Mobbing mit
Ratten, eine getürkte Aldi-Wette bei "Wetten, dass…?", Psychoterror gegen
Mitarbeiter, die einfach nur ihre verbrieften Rechte wahrnehmen wollen.
Anderswo sieht es - bis auf wenige Ausnahmen - oft nicht besser aus, wie
vielsagende Blicke in das Innenleben von Edeka, Netto, dm, Lidl und weiteren
Ketten zeigen. Anders aber ist: Die Betroffenen schweigen nicht mehr dazu.
144 Seiten, 7,99 Euro, ab 1. Oktober 2013 im Handel

12.08.2013 apotheke adhoc: Apothekenaltag als Sommerlektüre

Apothekenalltag als Sommerlektüre

Berlin - Eine übergewichtige Familie, die abnehmen muss. Eine einsame Rentnerin, deren Glück im Melissengeist liegt. Eine schnöselige Unternehmergattin, der man es nicht recht machen kann. Apotheker begegnen in ihrem Alltag verschiedensten Menschen und erleben dabei die unterschiedlichsten Geschichten. Karin Wahl hat einige davon aufgeschrieben. In ihrem Buch „Rezeptfrei – Apothekengeschichten mit Risiken und Nebenwirkungen“ berichtet die ehemalige Kammerpräsidentin von Baden-Württemberg aus ihrem Berufsleben.

„Wenn wir mit Freunden zusammensaßen und jeder aus seinem Leben berichtete, konnte ich immer mit einigen Geschichten unterhalten“, erzählt Wahl. Schreib das doch mal auf, hörte die Apothekerin immer öfter. Sie begann daraufhin, sich Überschriften zu überlegen und über ihre Erlebnisse nachzudenken.

Dass daraus ein Buch wurde, war letztlich dem Zufall zu verdanken: Durch eine Praktikantin in der Apotheke kam sie in Kontakt mit Andreas Straub, der bereits ein Buch über die Arbeitsverhältnisse bei Aldi verfasst hatte. Nach einigen Treffen stand dann der Plan für das Buch.

 Aufgeschrieben hat Wahl ihre Geschichten im Winter, zwischen November und Januar, größtenteils aus dem Gedächtnis. Beim Schreiben kamen auch immer neue Erinnerungen zurück. Die Texte besprach sie immer wieder mit ihrem Koautoren Straub. „’Sie schreiben das viel zu brav’, hat Straub dann gesagt“, erzählt Wahl. Gemeinsam habe man sich nach und nach auf einen Stil geeinigt. „Das hat so viel Spaß gemacht“, sagt Wahl.

In dem Buch erzählt Wahl 62 Geschichten aus ihrem Alltag in der Offizin: Sie berichtet über nervige Kunden, adlige Gattinnen und einen Überfall, der zum Glück glimpflich verlief. Aber auch tragische Geschichten hat Wahl erlebt: Zum Beispiel als ein Junge in die Apotheke kam und um ihre Hilfe bat. Als Wahl ihn nach Hause bringen wollte, musste sie entdecken, dass der Lebensgefährte die Mutter erstochen und sich selbst erhängt hatte.

Wahl berichtet aber auch von den alltäglichen Problemen: Wie macht man einer türkischsprachigen Mutter klar, dass die Gummibärchen, die ihre Kinder gerade erhalten haben, keine Schweinegelatine enthalten? Und wie kann man einem alten Ehepaar den Wunsch nach rezeptfreiem Viagra verweigern, und sie gleichzeitig als treue Kunden behalten? Die Antwort lautet übrigens in beiden Fällen: Nur sehr schwer bis gar nicht.

Quelle: http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/nachricht-detail/buch-tipp-apothekenalltag-als-sommerlektuere/


31.07.2013 Rezension in der Pharmazeutischen Zeitung zu REZEPTFREI

Apothekengeschichten
Hinter den Kulissen
Von Ulrike Abel-Wanek / Kaum jemand erfährt so viel von den
Menschen wie ein Apotheker. 30 Jahre lang war Karin Wahl Inhaberin
einer Apotheke in Stuttgart, unzählige Kunden hat sie in dieser
Zeit betreut. Ihre Erfahrungen hat die Apothekerin und ehemalige
Kammerpräsidentin aus Baden-Württemberg in 62 Kurzgeschichten
zusammengefasst.

Da ist die Rentnerin, die den Film auf
ihren Filmtabletten sucht, der verliebte,
nicht mehr ganz junge Viagra-Käufer,
die Suizid-Gefährdete, der Rezeptbetrüger
und chronisch Kranke. Da sind
der Junkie und der Dealer, die übergewichtige
Hausfrau, da sind Menschen
mit Sprachbarrieren, tablettensüchtige
Manager oder einsame Rentner: Alle
werden diskret und fachkundig bedient.
Karin Wahls Apotheke im bunt
gemischten Stuttgarter Bohnenviertel
ist ein sozialer Anlaufpunkt.
Apotheker werden täglich mit den
Sorgen und Nöten ihrer Kunden konfrontiert.
Apotheker müssen gut zuhören
können und auf alles eine Antwort
wissen. Der Apotheker ist nicht nur Beobachter
vieler Schicksale, sondern
nimmt auch Einfluss auf sie. Er und sein
Team leisten mehr als nur die Verteilung
von Arzneimitteln. Apotheker sind
Seelsorger, Zuhörer, Tröster, Eheberater
und Kummerkasten.
Die Geschichten von Karin Wahl geben
einen ebenso humorvollen wie
tiefgründigen Einblick in die vielen Facetten
eines Pharmazeutenalltags, sie
erzählen von sozialer Ungleichheit,
wachsender Vereinsamung und
menschlichen Schwächen. Die Autorin
ist Pharmazeutin, Geschäftsfrau und
Seelsorgerin, ihre authentischen Anekdoten
sind unterhaltsam, manchmal
skurril und nachdenklich stimmend
und unbedingt lesenswert. /
Karin Wahl (unter Mitarbeit von Andreas
Straub): Rezeptfrei. Apothekengeschichten
mit Risiken und Nebenwirkungen.
256 Seiten, Taschenbuch.
Schwarzkopf und Schwarzkopf Verlag,
ISBN 978-3-86265-308-9, EUR 9,95
(erscheint am 1. Juli 2013).

Quelle: Pharmazeutische Zeitung, Juli 2013

29.07.2013 Buchtipp in der Deutschen Apotheker Zeitung DAZ Heft 30

Buchtipp von DAZ-Herausgeber Peter Ditzel:

"Apothekengeschichten mit Risiken und Nebenwirkungen" lautet der Untertitel des neuen Buches "Rezeptfrei" der Apothekerin Karin
Wahl. Er deutet an, worum es in diesem Buch geht: Es sind Geschichten aus dem Apothekenalltag, ehrlich und humorvoll erzählt,
aber tiefgründig, mit dem Kunden im Mittelpunkt.
Wer viele Jahre in Apotheken gearbeitet hat, wird sie alle in den Geschichten wiederentdecken, die lieben Kunden, die Nervensägen,
den nörgelnden Rentner genauso wie die dauernervende Hausfrau, den frisch verliebten Juwelier oder die überforderte Mutter. Karin
Wahls Apothekengeschichten über ihre Kunden geben den Lesern, der Öffentlichkeit gleichzeitig Einblicke in die Aufgaben des
Apothekers, erlauben einen Blick hinter die Kulisse einer Apotheke. Sie erzählen von Schicksalen und menschlichen Schwächen. Wahl
hat es verstanden, die facettenreichen Charaktere der Apothekenkunden herauszuarbeiten, immer mit Augenzwinkern und einem
Schmunzeln auf den Lippen. So zum Beispiel den selbstverliebten Benno Meister, der immer ihre PTAs anbaggerte mit Sprüchen wie:
"Was machen die Ladys denn heute Abend?" oder immer wieder mal "eine Probepackung Viagra bitte, ha, ha, ha" verlangte. Oder
Frau Mulde, die personifizierte nervensägende Kundin, die fast täglich anrief und Fragen stellte von der Qualität wie diese: "Auf
meinen neuen Tabletten steht ‚Filmtabletten‘. Ich sehe aber keinen Film. Wie bekomme ich den weg?" Der Leser erfährt aber auch
viel über die Abläufe in einer Apotheke, wie sie funktioniert, welche Aufgaben sie hat und wie Apothekerinnen und Apotheker so
denken.
Karin Wahl war 30 Jahre lang selbstständige Apothekerin in Stuttgart. Sie stand als erste Frau (Präsidentin) der
Landesapothekerkammer Baden-Württemberg vor und war Mitglied im Vorstand der Bundesapothekerkammer. Und sie war mit Leib
und Seele Apothekerin. "Ich würde meinen Beruf sofort wieder wählen", weil er umfangreiches Fachwissen mit dem Umgang mit
Menschen verbindet", so Wahl. Aus privaten Gründen verkaufte sie ihre Apotheke und schied aus der Berufspolitik aus. Heute ist
Wahl als Apothekenberaterin und Referentin tätig.
Als gute Beobachterin sammelte sie ihre Erlebnisse mit den Kunden und trug sie in "Rezeptfrei" zusammen. 62 spannende und unterhaltsame, skurrile und manchmal
auch nachdenkliche Geschichten sind es geworden: Episoden, die das Leben schrieb. Karin Wahls Motto: "Als Apotheker muss man Menschen mögen."
Der Titel ihres Buches entstand zusammen mit ihrem Co-Autor Andreas Straub, der ihre Geschichten erzählerisch auf den Punkt brachte. Der Titel "Rezeptfrei" soll darauf
hindeuten, was man in der Apotheke noch alles so nebenbei bekommen kann, ohne Vorlage eines Rezepts, eben rezeptfrei: einen Seelsorger, einen Menschen der
zuhört, einen Tröster, Eheberater, Kummerkasten und manchmal auch einen Mülleimer für seelische Probleme.
"Rezeptfrei" ist ein sehr amüsant zu lesendes Buch, für Nicht-Apotheker genauso wie für Apotheker selbst. Und dabei voller Wahrheiten über Kunden und Apotheken.

Quelle: DAZ

14.07.2013 REZEPTFREI - Das perfekte Buch für den Sommerurlaub

Der perfekte Lesestoff für den Sommerurlaub, nicht nur für Apotheker: Rezeptfrei.

Ingrid, die Ehefrau des früheren Aldi-Filialleiters aus dem bayerischen Moosburg und eine meiner treuesten Leserinnen hat geschrieben:

„Rezeptfrei...ein sehr unterhaltsames Buch...wirklich lesenswert! Wahre Geschichten..versehen mit skurrilen Flair...etwas schwarzen Humor...auch tragische Episoden... runden das Ganze ab! Ich kann es nur empfehlen!“

Die Apothekerin Elisabeth Thesing-Bleck in einer Rezension in der "Pharmazeutischen Zeitung":

REZEPTFREI - Apothekengeschichten mit Risiken und Nebenwirkungen von Karin Wahl

Passend zur Ferien - Hochsaison ist ein lesenswertes Taschenbuch erschienen. Die engagierte Stuttgarter Apothekerin Karin Wahl beschreibt in vielen Anekdoten anschaulich aber auch nachdenklich unseren Apothekenalltag und vor allem typische Apothekenkunden. Vieles von dem, was die ehemalige Kammerpräsidentin hier zusammen getragen hat, ereignet sich Tag für Tag so oder so ähnlich in einer öffentlichen Apotheke. Darüber hinaus beschreiben die Kurzgeschichten sehr treffend  die wichtige Rolle, die eine öffentliche Apotheke für ihre Kunden in ihrem sozialen Umfeld spielt. Das Büchlein ist amüsant und kurzweilig zu lesen, es stimmt aber auch nachdenklich. Dieser Band kann Apothekerinnen und Apothekern besonders dann als Lektüre empfohlen werden, wenn sie über ihre tägliche Apothekenpraxis einmal aus einem ganz anderen Blickwinkel reflektieren wollen.

 

Karin Wahl: REZEPTFREI
Apothekengeschichten mit Risiken und Nebenwirkungen
Mit Andreas Straub | Mit Illustrationen von Jana Moskito
ca. 256 Seiten | Taschenbuch
Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag | Berlin

Originalausgabe | 9,95 EUR (D)

10.07.2013 Setzen, Herr Billig-Professor Thomas Roeb, Note 6!

Faktencheck zu "Hart aber fair"Wird Deutschland zur Billig-Republik?

Hier bin ich Pfennigfuchser, hier darf ich’s sein: Aldi und Co. versprechen Tiefstpreise – mit Erfolg und zu Freude der Verbraucher. Aber wer zahlt am Ende für unsere kollektive Schnäppchenjagd? Der Faktencheck zur Sendung vom 08. Juli 2013.

Eine Talkshow ist turbulent. Auch in 75 Minuten bleibt oft keine Zeit, Aussagen oder Einschätzungen der Gäste gründlich zu prüfen. Deshalb hakt "Hart aber fair" nach und prüft einige Aussagen und Behauptungen. Die Antworten gibt es am Tag nach der Sendung hier im Faktencheck.

Thomas Roeb über das Gehalt bei Aldi

Thomas Roeb meint, dass Aldi-Beschäftigte zwischen 50 und 70 Prozent über dem Tariflohn bezahlt werden.

Thomas RoebVideo

Thomas Roeb (re.) mit Christian Huff


"Das ist völlig unrealistisch", sagt Horst Margner, Gewerkschaftssekretär beiver.di. Je nach Tarifvertrag und Bundesland verdiene eine ausgelernte Kassiererin zwischen 12 und 13 Euro pro Stunde. "Zwar gibt es unter Umständen Mitarbeiter, die durch einen Gehalts-Aufschlag über dem Tariflohn liegen", so Margner. Oft aber seien in diesen Zuschlägen bereits sämtliche Arbeitsstunden eingerechnet – also auch die Überstunden. Darüber hinaus versuche Aldi die Kosten zu drücken, indem keine gelernten Kassiererinnen mehr eingestellt werden, sondern Auffüllkräfte, die dann unter Umständen nur 8,50 Euro verdienen, kritisiert der Gewerkschafter.

Andreas Straub über Handelskonzerne und Marktanteile

Andreas Straub sagt, 90 Prozent des Lebensmittelmarktes werden von den fünf größten Lebensmittelkonzernen in Deutschland beherrscht.

Andreas StraubVideo

Andreas Straub (re.) mit Bärbel Schäfer und Thomas Roeb


Zu dieser Erkenntnis kommt auch die Initiative "Supermarktmacht" – ein Zusammenschluss von über 20 Nichtregierungsorganisationen und Gewerkschaften. Demnach teilen sich die fünf großen Handelsketten Edeka, Aldi, Rewe, Lidl und Metro tatsächlich 90 Prozent des Marktes unter sich auf. Laut der Initiative waren es 1999 noch acht Handelskonzerne, die sich 70 Prozent des Lebensmittelmarktes aufteilten. Alleine die Discounter beherrschen 45 Prozent des gesamten Lebensmitteleinzelhandels.

Peter Becker über Singlehaushalte in Hamburg

Peter Becker meint, 60 Prozent der Haushalte in Hamburg sind Singlehaushalte.

Peter BeckerVideo

Peter Becker mit Kirsten Brodde


Nicht ganz. Zwar stimmt seine Aussage in der Tendenz, dennoch sind von den insgesamt 985.000 Haushalten "nur" 53.6 Prozent Singlehaushalte. Von den rund 1,8 Millionen Einwohnern machen die Einpersonenhaushalte nach Angaben des Statistikamtes für Hamburg und Schleswig-Holstein 29,7 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Durchschnittlich leben in einem Hamburger Haushalt 1,8 Personen.

Thoma Roeb über fairtrade-Bananen

Thomas Roeb ist sicher, dass nur ein kleiner Teil der höheren Preise von fair gehandelten Bananen direkt an die Bauern und Arbeiter in den Anbaugebieten geht.

Thomas RoebVideo

Thomas Roeb (2.v.li.) am "Hart aber fair"-Panel


Das ist plausibel. Nach Angaben von fairtrade erhalten beispielsweise Bananenbauern in der Dominikanischen Republik, die mit fairtrade zusammenarbeiten, pro Kiste einen US-Dollar mehr. Im Vergleich zum Preis, der hierzulande für eine Kiste Bananen gezahlt werden muss, scheint dies vergleichsweise wenig. Allerdings ist dieser US-Dollar für einen Bananenbauern und die Arbeiter in Lateinamerika wesentlich mehr wert als für den Verbraucher in Europa. Darüber hinaus werden fairhandels-Prämien in soziale Projekte investiert. Bauern, die am fairen Handel teilnehmen wollen, müssen bestimmte Standards bei Mindestlöhnen und im Umweltschutz erfüllen. Im Gegenzug garantiert fairtrade ihnen Preise über dem Weltmarktniveau sowie Prämien.

09.07.2013 Billig-Professor Thomas Roeb: Die Umfrage zum "Handelsexperten"

Die wissenschaftlich fundierte Umfrage zum "Handelsexperten" Thomas Roeb aus "hart aber fair" exklusiv auf meiner Facebook-Seite.

Frage:

Was denkt ihr über Billig-Professor Thomas Roeb aus "hart aber fair"?

Antwort:

- will von Aldi gekauft werden

- ist schon von Aldi gekauft

- ist ehrlich, kompetent und sympathisch

Jetzt hier beantworten:

https://www.facebook.com/pages/Andreas-Straub/182359395212025

09.07.2013 Quotensieg für den "Aldi-Check"

Auf Aldi ist Verlass: Während die Zuschauerzahlen der ARD-"Checks" mal recht gut und mal eher mittelmäßig aussehen, schalteten den "Aldi-Check" am Montag mit 4,62 Mio. so viele ein, dass die Sendung einen traumhaften Marktanteil von 18,7% und den Tagessieg holte. Und: Auch "Hart aber fair" profitierte wieder von dem "Check", holte mit dem Aldi-Talk 4,23 Mio. Zuschauer, 16,3% und Platz 3. Im jungen Publikum gewann unterdessen "The Big Bang Theory", bei Vox startete "Continuum" erfolgreich.

Quelle: http://meedia.de/fernsehen/aldi-check-und-hart-aber-fair-extrem-stark/2013/07/09.html

07.07.2013 Aldi-Bestseller soll ins Kino

Die Skurrilitäten und Abgründe beim Discounter Aldi, die der Ex-Aldi-Manager Andreas Straub im Bestseller "Aldi - Einfach billig" beschreibt, sollen jetzt auch Publikum ins Kino locken. Der Rowohlt-Verlag hat die Optionsrechte an die Münchner Filmproduktion "Fireapple" verkauft. Deren Co-Chef Sebastian Bandel wirkte bereits an Erfolgsproduktionen wie "Wer früher stirbt ist länger tot" mit und will das Aldi-Buch "nicht so verfilmen, wie man es erwarten würde, sondern den Zuschauer überraschen". Die Besetzung steht noch nicht fest. Straub sorgte voriges Jahr mit seinen Innenansichten aus dem Aldi-Imperium für Aufsehen (SPIEGEL 18/2012); die fragwürdige Überwachung der Mitarbeiter schilderte er genauso wie den Perfektionswahn des Managements.

Quelle: Spiegel-Vorabmeldungen Heft 28/2013

30.06.2013 Netto Markendiscount - Edekas Schmuddelladen

Nicht verpassen nächste Woche: Report Mainz (ARD), ein Beitrag von Edgar Verheyen. Wie ich erfahren habe, soll eine kleiner Beitrag über Netto schon am Dienstag, den 02.07.2013 gesendet werden. Bekannte Discountermethoden, aber auch was Mitarbeiter von Netto im Besonderen mitmachen und wie die Konzernmutter Edekas das alles ignoriert, sogar davon profitiert. 
Alle Informationen und Hintergründe in "Die Billig-Macher" z.B. hier:
http://www.amazon.de/gp/product/B00C5VYP12/ref=s9_simh_gw_p14_d0_i5?pf_rd_m=A3JWKAKR8XB7XF&pf_rd_s=center-2&pf_rd_r=0C318THRDFHAAWEZZNDQ&pf_rd_t=101&pf_rd_p=463375173&pf_rd_i=301128

 

20.06.2013 REZEPTFREI - Alltag einer Apothekerin - Die Verlagsankündigung

In REZEPTFREI berichtet Karin Wahl aus ihrem abwechslungsreichen Alltag als Apothekerin, Kollegin, Geschäftsfrau und Seelsorgerin. Ob Junkies, Dealer, übergewichtige Hausfrauen, Menschen mit Sprachbarrieren, tablettensüchtige Manager oder einsame Rentner: Alle werden diskret und fachkundig bedient. Der Alltag könnte manchmal trist sein, wären da nicht besondere Kunden wie Frau Mulde. Es gibt nervige und dumme Kunden, es gibt nervtötende und strohdumme Kunden, und es gibt den Superlativ all dessen, Frau Mulde eben. Sie ruft beinahe täglich an, um irgendetwas zu fragen, was sie ganz genau und unbedingt sofort wissen möchte.
Diese 62 spannenden und unterhaltsamen, aber auch skurrilen und bisweilen nachdenklich stimmenden Anekdoten ermöglichen erstmals einen Blick hinter die Kulissen des Apotheker-Berufs. Es sind kurze Episoden, die das echte Leben geschrieben hat. Karin Wahl erzählt lakonisch und ohne Schnörkel, mit viel Wissen und hintergründigem Humor. Ein detailliertes Glossar rundet ihre Apothekengeschichten ab.

...........

Und demnächst hier: eine schöne Leseprobe mit meiner Lieblingsgeschichte! Schönes Wochenende, Andreas Straub

14.06.2013 REZEPTFREI - Das erste Buch über den Apothekeralltag

Nachdem ich mit „Inside Aldi – Tricksen, Vertuschen, Weitermachen“ noch einmal eine kleine Publikation über meine Freunde in Mülheim und Essen nachgelegt habe, in der ich verschiedene Leserstimmen und Reaktionen von Betroffenen auf „Aldi – einfach billig“ zusammengefasst habe, wird sich die nächste Veröffentlichung mit überwiegend vergnüglichen Geschichten befassen.

„Inside Aldi“ ist zunächst als eBook-only in einer Reihe von Publikationen des Rowohlt Verlags erschienen, der zunehmend auf die digitale Variante setzt (und setzen muss). Da meine Bücher als eBooks sehr gut laufen, habe ich dafür ein kleines Werk produziert. Ob es im Herbst zusätzlich als gedruckte Variante erscheint, ist noch nicht entschieden, momentan gehe ich aber eher nicht davon aus. Mehr zum Thema unter:

http://www.rowohlt.de/artikel/3091090

Als gedrucktes Buch jedenfalls werden Apothekengeschichten mit und für Karin Wahl erscheinen. Gestern erhielt ich die ersten Exemplare per Post. Es ist immer ein besonderes Gefühl, das Werk tatsächlich in der Hand zu halten. Im Gegensatz zum eBook ein echtes Produkt eben, das Ergebnis wochen- und monatelanger Arbeit.

Wer ist Karin Wahl und wie kommt Andreas Straub zum Thema Apotheken? Ganz einfach: durch einen Zufall. Meine Schwester schließt im Sommer ihr Pharmazie-Studium ab und wird danach als Apothekerin arbeiten. In einem Praktikum lernte sie Karin Wahl kennen, die schon länger eine Veröffentlichung über den Alltag in deutschen Apotheken plant. Ich habe sie ein wenig unterstützt in der Ausformulierung ihrer Geschichten, in der Konzeption des Buchs und in der Verlagssuche. Karin Wahl hat mehr als 30 Jahre Erfahrung als Leiterin ihrer eigenen Apotheke und war sowohl landes- als auch bundespolitisch aktiv. Was sie in erlebt hat, übertraf meine eigenen Erwartungen und, zugegeben, Vorurteile bei weitem.

Ich bin gespannt auf die Reaktionen der Leser und darauf, welche Verbreitung das Buch finden wird. Erste Pressereaktionen sind jedenfalls schon sehr erfreulich. Ab dem 1. Juli gibt es „REZEPTFREI“ in allen Buchhandlungen. Am besten lokal kaufen. Für alle Stuttgarter ganz klar beim Freund von Karin Wahl, dem Kult-Buchhändler WITTWER im Laden oder online: https://www.wittwer.de/

Oder zum Beispiel auch bei der OSIANDER-Buchhandlung, die von meinem ehemaligen Aldi-Kollegen Christian Riethmüller sehr vorbildlich geleitet wird:

http://www.osiander.de/webdb/index.cfm?osiaction=details&id=KNO2013052400532&source=UWK

Alle Nicht-Schwaben beim Buchhändler ihres Vertrauens vor Ort!

14.06.2013 Neue Publikationen

1. Juli 2013: REZEPTFREI

Apothekengeschichten mit Risiken und Nebenwirkungen. Von Karin Wahl mit Andreas Straub.

Kaum jemand erfährt so viel über die Geheimnisse der Menschen, die versteckten Krankheiten und Eitelkeiten, die vielschichteigen Süchte und Sehnsüchte wie eine Apothekerin. Ob Junkies, Dealer, übergewichtige Hausfrauen, Menschen mit Sprachbarrieren, tablettensüchtige Manager oder einsame Rentner: sie alle geben sich in der Apotheke die Türklinke in die Hand. REZEPTFREI erzählt von ihren Geschichten.

 

1. Juni 2013: Inside Aldi

Tricksen, Vertuschen, Weitermachen. Von Andreas Straub

Wie ist die Lage ein Jahr nach der Veröffentlichung von „Aldi – einfach billig“ beim Lieblingsdiscounter vieler Deutscher? Kaum verändert. Aufgrund von hunderten Rückmeldungen und Gesprächen folgen in diesem E-Book, kurz, aber schrecklich, neue und weitere, bisher unbekannte Fallbeispiele einer überkommenen Unternehmenskultur.

01.06.2013 Der "Wetten, dass..?"-Betrug ab sofort nachzulesen in "Inside Aldi"

Das Aldi - "Wetten,dass..?" - Betrug

ab sofort nachzulesen in "Inside Aldi", dem neuen eBook von Andreas Straub.

Die Wette noch einmal ansehen unter:

http://www.youtube.com/watch?v=l_7BR8Y7J_4

Textauszug aus dem neuen Buch:

(…)

„Es ist der Wahnsinn“, freut sich Anastasia. Wette gewonnen!

Im Lager der Aldi-Filiale blickten sich die Verkäuferinnen derweil vielsagend an, sagten aber nichts. Führungskräfte des Discounters und Mitarbeiter von „Wetten, dass..?“ waren ebenfalls anwesend. Weil Anastasia den kompletten Sozialbereich der Filiale für sich alleine benötigte, waren alle anderen ins Lager verbannt worden. Dort hatten sie sich auf Bierbänke gedrängt und die Sendung auf einem eigens aufgebauten Fernseher verfolgt.

Unter ihnen Heike L., die zusammen mit ihren Kolleginnen bei dieser Wette nachgeholfen hat, wie sie heute sagt. „Unser Filialleiter war sich bei allen Produkten ziemlich sicher. Nur bei einem gab es ein Problem: dem Kaffee. (…)“

"Inside Aldi - Tricksen, Vertuschen, Weitermachen" ist bei allen gängigen Händlern verfügbar.

natürlich im iTunes-Store oder zum Beispiel bei Amazon

http://www.amazon.de/Inside-Aldi-Rowohlt-E-Book-ebook/dp/B00D2IQSMG/ref=la_B00941C0L8_1_4?ie=UTF8&qid=1370085685&sr=1-4

oder bei Hugendubel

http://www.hugendubel.de/3/18225869-1/ebook/inside-aldi-rowohlt-e-book-only.html

 

29.05.2013 Verlagsankündigung "Inside Aldi" u.a. mit dem Wetten-dass-Betrug

Rowohlt E-Book Only

Als im Frühjahr 2012 das Buch «Aldi – Einfach billig» erschien, war das Aufsehen beträchtlich. Zum ersten Mal erfuhr die Öffentlichkeit aus dem noch frischen Erfahrungsschatz eines ehemaligen Managers Näheres über das Innenleben des Discounters. Extremer Arbeitsdruck, Einschüchterung und Willkür, Entlassungen als Personalpolitik, Kostendruck und umfassende Kontrolle: Andreas Straub lieferte einen Insiderbericht aus der Welt der Billigpreise, der zum Bestseller wurde und viele Leser schockierte.
Wie ist es heute, ein Jahr später, im Jubiläumsjahr? Aldi ist 100 und kein bisschen weiser. Im Wesentlichen, befindet Straub, der nach seinem Buch Hunderte von Rückmeldungen aus der Aldi-Welt bekam und inzwischen über einen Fundus an Fällen verfügt, der seinesgleichen sucht, hat sich wenig geändert. Der Discounter-Riese trickst, vertuscht und macht weiter wie gehabt. Deshalb folgen in diesem E-Book, kurz, aber schrecklich, neue und weitere, bisher unbekannte Fallbeispiele einer überkommenen Unternehmenskultur.
Der Einsatz versteckter Kameras gegen Mitarbeiter, das Ertricksen von Steuergeldern in siebenstelliger Höhe, der Psychoterror gegen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die einen Betriebsrat gründen wollen oder einfach nur eine Kollegin gegen Anwürfe in Schutz nehmen, die Selbstbedienungsmentalität von Spitzenmanagern, eine Rattenplage, die zu Mobbing missbraucht wird: alles keine Werbung für den Discounter, der von sich selbst stets behauptet, der Mensch stehe bei ihm im Mittelpunkt. 
Apropos Werbung: Bei seinen Exkursionen in die Untiefen der Aldi-Kultur stieß Andreas Straub auf eine vertuschte Geschichte, die im Lichte aktueller Enthüllungen einige Fragen aufwirft – eine manipulierte «Aldi-Wette» bei «Wetten, dass..?».

22.05.2013 LESUNG: Ex-ALDI-Manager berichtet über die Schattenseiten der Discounter

KREIS GROSS-GERAU - Aldi ist Kult. Doch das Unternehmen steht immer wieder in der Kritik. Denn die Niedrigstpreise, die der Discounter Woche für Woche offeriert, gibt es nicht umsonst. Billig kostet - vor allem Menschlichkeit. Darüber berichtet der ehemalige Aldi-Süd-Manager und Bestsellerautor Andreas Straub bei einer Veranstaltung am 28. Mai (19.30 Uhr) im Landratsamt Groß-Gerau (Wilhelm-Seipp-Straße 4).

Angelehnt an seine Veröffentlichung "Aldi - einfach billig" aus dem Jahr 2012 wird Straub von seinen mehrjährigen Erfahrungen im Unternehmen erzählen und Einblicke in Discounterstrategien geben. Bei der anschließenden Diskussion sollen dann auch die aktuellen Entwicklungen im Einzelhandel einbezogen werden. Moderiert wird der Abend von Betriebsseelsorgerin Ingrid Reidt von der katholischen Regionalstelle für Arbeitnehmer- und Betriebsseelsorge Rüsselsheim/Bergstraße.

Andreas Straub gewährt Einblicke hinter die Kulissen der weitverbreiteten Einkaufsmentalität: Extrem hoher Arbeits- und Kostendruck, Spitzelei und umfassende Kontrolle prägen die schockierende Alltagsrealität im Discounterbetrieb. Beschäftigte zahlen den Preis für diese Billig-Angebote. Der Abend will Augen öffnen, nachdenklich machen und zeigen, dass es auch anders geht.

Quelle: http://www.gg24.de/kreis-gross-gerau-news/items/ex-aldi-manager-berichtet-ueber-die-schattenseiten-der-discounter-691.html

20.05.2013 Exklusiv bei Facebook die Vorschau auf das Cover

Auf meiner Facebook-Seite die Vorschau auf das Cover meines im Juni erscheinenden Mini-Buchs (zuerst als eBook-only)
https://www.facebook.com/pages/Andreas-Straub/182359395212025 

06.05.2013 Leseprobe "Die Billig-Macher"

Ausgerechnet in der Abteilung „Corporate Responsibility“, also Unternehmensverantwortung, arbeitete Maria Z. bis vor kurzem bei Aldi Süd in der Mülheimer Zentrale. Und ja, diese Abteilung gibt es wirklich. Mehrere räumlich zusammengruppierte Mitarbeiter beschäftigen sich dort tagtäglich mit hölzernen Arbeitspapieren und bunten Powerpoint-Folien. Von einem Team spricht Maria Z. nicht gerne. Obwohl ihr schon im Bewerbungsgespräch mitgeteilt wurde, dass Beförderungen nach oben nicht vorgesehen seien und sie nach wenigen Wochen dann auch merkte, dass sie „nicht weiterkommen“ werde, blieb sie mit Rücksicht auf den Lebenslauf zwei Jahre.

Aldi Süd heuert Maria Z. zufolge auch für die Mülheimer Zentrale bevorzugt Berufsanfänger direkt von den Schulen und Unis an. Die höheren Manager sind Hausgewächse, die sich ihre Sporen in den Filialen verdienen mussten und in der Regel kaum ein anderes Unternehmen von innen gesehen haben. Doch während in den uniformen Märkten im Personalbereich teilweise Wildwuchs herrscht, mag man es in der Zentrale ganz genau. Die sachbearbeitenden Mitarbeiter haben unbefristete Verträge und arbeiten von exakt 7.30 Uhr bis 16.15 Uhr, an einem Tag die Woche nur bis 13.15 Uhr. Überstunden sind strikt verboten, schon bei fünf Minuten müssen die Mitarbeiter mit ihren Vorgesetzten Rücksprache halten. Die Aufgaben sind ranghohen Insidern zufolge in der Regel inhaltlich anspruchslos strukturiert, es herrscht kaum Termindruck. Jeder Sinn für Verantwortung wird „denen da unten“ abgesprochen. „Zu Ihrem eigenen Schutz, damit Sie keine Fehler machen“, heißt es dann, nach dem Motto: „Mitarbeiter haben zu funktionieren und sonst nichts.“ Dennoch wundern sich die Geschäftsführer gelegentlich über „negative Stimmung“, obwohl doch „die Bezahlung gut und die Büroräume modern“ sind. 

Aldi ist ein konservatives Unternehmen. Das ist per se nichts Schlechtes. Allmählich wandelt es sich, passt sich dem Zeitgeist an. Doch was Maria Z. im Frühjahr 2013 schreibt, ist kein Skandal, zeugt aber von einer grotesken, sektenähnlichen Firmenkultur und einem langen, noch bevorstehenden Weg:

„Ich bin mir oft vorgekommen wie in einer Kleinstadt, in der alle außer mir die große Aldi-Spritze bekommen haben. Auf den unteren Rängen, nette Frauen, die ab und zu mal lachen, sich aber im Grunde wie Roboter verhalten. Die Chefs männlich, von sich selbst eingenommen und nicht gerade Spezialisten ihres Fachs. Sie haben meistens gelernt, Kassierer zusammenzuscheißen, aber nicht unbedingt, konzeptionell zu arbeiten.

Obwohl die Corporate Responsibility-Abteilung keinerlei Kundenkontakt hat, sind Jeans strikt verboten. Mehr als zwei Farben zu tragen, ist „nicht gewünscht“. Eine Kollegin von mir wurde darauf angesprochen, als sie einen roten Pulli und einen grünen Schaal trug. Ich hatte einmal rote Schnürsenkel in schwarzen Schuhen, das ging natürlich gar nicht. Auch Nagellack ist tabu. Außer in durchsichtig. Das Büro der Assistentinnen muss immer offen bleiben, da man davon ausgeht, dass die sich generell nicht benehmen können und immer zurechtgewiesen werden müssen. Auch ich bin mir ständig beobachtet vorgekommen. Einmal habe ich ein sogenanntes „Tür-zu“-Gespräch bekommen, weil ich anscheinend eine falsche Sitzhaltung am Arbeitsplatz hatte. Meine Vorgesetzte sagte: „Ihre Sitzhaltung entspricht nicht der aldi-üblichen Betriebsamkeit“.

Die Assistenten müssen nicht nur im Büro Talente haben, sondern auch in der Küche was leisten können. Für einige interne Meetings sind sie nämlich auch für das Essen (machen) zuständig. In der Zeit einer Urlaubsvertretung hatte ich selbst so ein Meeting vorzubereiten. Ich vergaß den Nachtisch: Aldi Süd Joghurt. Als der Geschäftsführer nachfragte, ob es Nachtisch gäbe und ich verneinen musste, starrten mich ungläubige Augen an. Ich dachte, jetzt schmeißen sie mich raus. Das passierte nicht, aber der Fall ging als „Jogate-Affaire“ in die Geschichte ein.

Mit Kollegen zu sprechen, ist „nicht gewünscht“. Deshalb habe ich mit einer Kollegin, wir verstanden uns auch privat gut, eMails hin und her geschickt. Sie kündigte kurz vor mir löschte vorher aber noch die meisten Mails, bis auf ein paar wenige, die sie vergessen hatte. Am Tag nach ihrer Kündigung durchforstete eine Managerin ab 7.30 Uhr früh sofort die gesamten eMails und ich musste um 9.30 Uhr zu einem „Tür-zu“-Gespräch. Zum Glück war nur noch eine eMail von mir da, in der es um ein Wärmekissen ging, das von meiner Chefin als „störend“ moniert worden war. Dafür durfte ich mich dann eine Stunde lang rechtfertigen.

Das Highlight: bei Aldi trinken alle aus den gleichen Tassen. Da ich diese unnütze Regel übergehen wollte, brachte ich, zugegeben provokant, eine Tasse mit dem Aufdruck „Queen of fucking everything“ mit. Natürlich fiel das gute Stück auf und ich wurde darauf in einem berühmten „Tür-zu“-Gespräch von einer Managerin hingewiesen. Mein Vorschlag, eine Tasse mit Weihnachtsaufdruck, wahlweise Tannenbäume oder Nikoläuse, zu benutzen, konnte nicht sofort beantwortet werden. Das musste erst auf Geschäftsleitungsebene entschieden werden. Ich bekam den Sonderwunsch dann aber genehmigt.“

Einige Monate nach ihrem Abgang bewarb sich Maria Z. erneut in der Aldi-Zentrale, diesmal für eine höhere Managementposition. Sie hatte ihre Erlebnisse verarbeitet und logische Schlussfolgerungen gezogen. Mit neuem Mut startete sie einen neuen Anlauf – oder war es doch nur Rache für den zwangsweisen Umstieg von der „Queen of fucking everything“- auf die Weihnachtsmann-Tasse? 

Unter dem Pseudonym „Sue Penngrün“, wohnhaft in der Stasi Straße 123 in 38412 Brechen, bemühte sich Maria Z. initiativ um eine Stelle, da sie „seit einiger Zeit die Entwicklungen in Richtung Unternehmensverantwortung bei Aldi Süd“ beobachte ...


Wie sie ihre Stärken preist und warum sie am Ende "mit freundlichen Grüßen aus Brechen" verblieb, lesen Sie in "Die Billig-Macher".

24.04.2013 Kontakt für Informanten / Betroffene

Aufgrund meiner starken Einbindung in andere Themen können sich Aldi-Mitarbeiter, andere Discounter-Mitarbeiter und allgemein alle Informanten einstweilen gerne auch an andere Kontaktstellen wenden. 

1. Work-Watch: ein Projekt von Arbeit und Leben NRW und der Günter Wallraff Stiftung
vor allem bei Mobbing- und Bossingfällen
http://www.work-watch.de/
zum Beispiel per eMail: kep@work-watch.de

2. Die Privatermittlerin Silvia Tito
bei Kündigungsfällen und in Fällen von Korruption / Wirtschaftskriminalität
http://hermessubunternehmer.wordpress.com/aldi-mitarbeiter/

 3. Die Gewerkschaft Verdi für Ausbeutungs- und allgemeine Geschichten
am besten direkt per eMAil an Andreas Hamann, der ein Aldi-Schwarzbuch vorbereitet
Hamann@bleifrei-berlin.de

Besonders brisante Fälle und vertrauliche Informationen nehme ich natürlich weiterhin auch selbst entgegen, sofern sie sich für eine Publikation eignen.

16.04.2013 Terminverschiebung "Inside Aldi"

Entgegen meiner ursprünglichen Planungen und Ankündigung im letzen Mailing wird „Inside Aldi – tricksen, vertuschen, weitermachen“ (Rowohlt Verlag) nicht zum Jahrestag von „Aldi – einfach billig“ Anfang Mai, sondern voraussichtlich erst Anfang Juni 2013 erscheinen. Um für enstprechene Anfragen Zeit zu haben, da wir von einigem Aufsehen ausgehen, musste ich den Termin verlegen. Leider konnte ein Kapitel nun auch nicht mehr mit in das Buch einfließen, ich will es aber gerne an dieser Stelle oder anderweitig zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlichen.   
Ich stehe in den nächsten vier bis sechs Wochen nur sehr eingeschränkt für Termine jeglicher Art zur Verfügung. Daher musste ich auch schon die Dreharbeiten für den ARD-Aldi-Markencheck, der am 8. Juli 2013 ausgestrahlt werden soll, auf Anfang Juni verschieben. Die Reporter haben jetzt schon zu viel Material, sollte aber noch jemand mit einer guten Story mitmachen wollen, einfach mailen. Etwas langsamere Reaktionszeiten bitte ich zu entschuldigen, ich werde mir aber alles anschauen. 

13.04.2013 Das legendäre heute.de - Interview

Vom kleinen Krämerladen zum Discountgiganten: Aldi wird heute 100 Jahre alt. "Das Unternehmen hat ein rigides Billigkonzept, für das am Ende auch andere zahlen", sagt der ehemalige Aldi-Manager Andreas Straub im heute.de-Interview. 

heute.de: Was hat das Aldi-Konzept so erfolgreich gemacht?

 Andreas Straub: Das Konzept beruht auf einem schmalen Grundsortiment, in dem man sich auf die Kernartikel fokussiert und diese besonders preiswert anbietet.

 heute.de: Wie schafft man das, diese niedrigen Preise zu machen?

 Straub: Wenig Verwaltung, straffe Organisation und natürlich, indem man die Lieferanten an die Kandare nimmt und die Personalkosten niedrig hält. Aldi ist hier im Branchenvergleich Spitze. Für das rigide Konzept müssen am Ende auch andere zahlen.

heute.de: Wer denn?

Straub: Lieferanten gehen pleite, Mitarbeiter werden ausgepresst und weggeworfen. Im Endeffekt zahlt auch die Gesamtgesellschaft, zum Beispiel dadurch, dass die Innenstädte veröden, denn die Märkte stehen oft auf der grünen Wiese, und wenn ältere Mitarbeiter freigesetzt werden und das Sozialwesen beanspruchen.

heute.de: Eine gängige Praxis, Ältere zu entlassen?

Straub: Ja, es wird niemand über 30 eingestellt und ältere Mitarbeiter werden nach meiner Erfahrung herausgedrängt. Manchmal werden sie rausgemobbt und sie gehen von alleine, oft gibt es Aufhebungsverträge, die unter enormem Druck unterschrieben werden. Dann kommen jüngere, billigere Mitarbeiter, die sich mehr engagieren, bis sie selbst wieder ausrangiert werden. Bei Aldi Süd ist es oft auch so, dass drei bis vier Azubis pro Filiale eingesetzt werden. Noch billiger sind Praktikanten, die durch die Arbeitsagentur oder Bildungsträger gefördert werden.

heute.de: Stichwort Lieferanten. Steht man da als Zulieferer gerne Schlange – und zu welchen Bedingungen?

Straub: Das ist ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite möchten viele Zulieferer mit Aldi ins Geschäft kommen, weil sie sich sehr hohe Absatzmengen versprechen. Um aber ins Geschäft zu kommen, muss der Gesamtpreis extrem niedrig sein. Sie begeben sie häufig in eine Abhängigkeit, die für sie selbst nicht gut ist.

heute.de: Ist die Qualität der Waren eigentlich etwas, auf das bei Aldi großen Wert gelegt wird?

Straub: Ja, ich würde sagen, man legt Wert auf Qualität. Es gibt für die Produkte einen Kriterienkatalog, dessen Standards erfüllt sein müssen. Wenn das stimmt, geht es an die Preisverhandlungen mit dem Zulieferer.

heute.de: Ist Aldi Ihrer Einschätzung nach ein Sonderfall unter den Discountern, oder sind alle nach demselben Muster gestrickt?

Straub: Die sind alle ähnlich strukturiert und haben letztlich das Aldi-System übernommen. Lidl hat einiges verbessert, zum Beispiel Stechuhren eingeführt, Netto ist richtig übel. Vieles davon haben auch ehemalige Aldi-Manager mitgeprägt, die zu einem anderen Discounter gewechselt sind. Genau darum geht es bei meinem neuen E-Book "Die Billigmacher": Es enthüllt an konkreten Beispielen die Prinzipien, nach denen mittlerweile fast alle Discounter und viele andere Dienstleister arbeiten.

heute.de: Sie bekommen ja weiterhin regelmäßig Zuschriften von Aldi-Mitarbeitern. Hat sich seit Ihrer Buchveröffentlichung „Aldi – einfach billig“ etwas positiv im Unternehmen verändert?

Straub: Kurz nach der Veröffentlichung gab es eine große mediale Welle, und da schien sich ein Änderungsprozess anzudeuten. Aber mich erreichen mittlerweile wieder eine Menge Zuschriften über Missstände. Bei Aldi Nord ist es immer noch das Thema der nicht bezahlten Überstunden, bei Aldi Süd hauptsächlich Mobbing und sexuelle Belästigung. Bei Süd gibt es auch nach wie vor keine Betriebsräte, bei Nord sind sie zunehmend von der arbeitgebernahen AUB infiltriert. Zur Aldi-Ideologie gehört eben auch das Prinzip: lügen, vertuschen, weitermachen.

Das Interview führte Christian Thomann-Busse.

 

05.04.2013 "Die Billig-Macher" sind da!

Die Billig-Macher sind auf dem Vormarsch. Ihre Tricks und Methoden ähneln sich - nicht nur im Handel. Topmanager und Unternehmenseigner kassieren, andere zahlen dafür. Aber wie lange noch? 
Andreas Straub liefert erneut einen schockierenden Blick hinter die Kulissen einiger Konzerne und in die aktuelle Arbeitswelt. Anhand zahlreicher realer Fälle enthüllt er ausbeuterische Arbeitsverhältnisse, raue Sitten und kriminelle Praktiken. Straub erklärt und analysiert am Beispiel des Einzelhandels, mit welchen Systemen Großkonzerne arbeiten, welche Trends bestehen und wie andere Interessensgruppen, vornehmlich die Arbeitnehmer, aber auch die Gesellschaft insgesamt, darunter leiden.
Ab sofort im Handel und bis 31.05.2013 zum Discount-Preis von nur 2,99 Euro! 

22.03.2013 Neues von ...

mir! Ich habe an dieser Stelle schon länger nichts mehr geschrieben und wurde nun schon mehrmals darauf angesprochen. Dass ich hier nicht mehr so viel veröffentliche, liegt einmal an vielen Anfragen und Nachrichten, aber auch an zwei eBook-only Veröffentlichungen, die demnächst anstehen. Dabei wird es auch um den gesamten Handel gehen.

Hier ein Beispiel: die eMail eines ehemaligen Netto-Verkaufsleiters.

„Nun ist es soweit, der Tag des Abschieds ist gekommen“, leitet er seine am 31.01.2013 um 18:05 Uhr abgesendete Frust-Ablass-Nachricht ein, von der neben etlichen Führungskräften auch Netto-Boss Franz Pröls eine Kopie erhielt. Sie ist mit „Abschied“ überschrieben, könnte sich aber auch „Abrechnung“ nennen. Er habe gerne und erfolgreich mehr als drei Jahre lang für Netto gearbeitet, führt der Absender aus, wohingegen „Kolleginnen und Kollegen aufgrund ihrer negativen Resultate an die Wand gestellt“ worden seien. An seinem letzten Arbeitstag beklagte er mangelnde Wertschätzung, nicht aber „im Branchenvergleich unterirdische Entlohnung“. Offenbar ärgert sich der Absender, dass ihm der Aufstieg verwehrt blieb. „Die oft gepriesene ‚Unterstützung‘, die anscheinend mit einer schizophrenen Besuchsintensität zum Ausdruck gebracht werden soll, verfehlt hier leider somit ihre Intention“, wettert er denn. „Hier kündigen binnen weniger Wochen 4 Verkaufsleiter (…) und niemand stellt unbequeme Fragen?! Wie weit reicht denn die (bayerische) Selbstverherrlichung noch?“ Beim Filialpersonal machten sich aufgrund der hohen Fluktuation „flächendeckend Demotivation und Enttäuschung“ breit.

So geht die mit einigen Ausrufungszeichen und großen Worten gespickte Mail noch weiter, bevor sich der Absender für die „tolle Zusammenarbeit, trotz der großen Unzufriedenheit, die uns umgeben hat“, bedankt und „Alles Gute!“ wünscht.


Daneben erreichen mich natürlich ständig Aldi-Fälle, gestern wieder zwei von Aldi Nord, zuletzt gehäuft aus der Aldi Süd Region Aichtal nahe Stuttgart. Dort ist anscheinend gerade mal wieder eine größere Reinigungsaktion im Gange. Mehrere Mitarbeiter wurden schon freigesetzt, mit anderen laufen derzeit Gespräche. Thomas M. zum Beispiel aus der Filiale Wendlingen erhielt am 15.03.2013 seine fristlose Kündigung, noch während er krankgeschrieben war. Aldi verbreitet das offenbar durch die Regionalverkaufsleiter an alle Kollegen. Ich frage mich, ob es wirklich so schwer ist, erst mit dem Betreffenden zu sprechen. Nun gut, ich habe ihm einen Anwalt vermittelt, der wird das regeln, obwohl mich die Märchenstunde namens Güteverhandlung auch reizen würde.

Demnächst wieder mehr!

 

13.02.2013 Das Hermes Fiasko zieht Kreise

Kürzlich habe ich an dieser Stelle über das Hermes Fiasko, ein neues Enthüllungsbuch, berichtet. Der Autor Kevin Trautner, ehemaliger Betreiber eines Satelliten-Depots im Auftrag des Paketdienstes Hermes, beschreibt darin schockierende Gegebenheiten, die wohl keine Einzelfälle sind. Die schöne Hermespaketwelt scheint auf Dumpinglöhnen, enormem Druck, langen Arbeitszeiten, Schwarzarbeit und immer wieder auf Insolvenzen von Subunternehmern zu basieren. Wie ich höre, hat der Autor bereits Presse- und Fernsehanfragen, die er in nächster Zeit wahrnehmen und sein Werk noch bekannter machen wird. Derweil erreicht mich eine Zuschrift mit der Bitte um Veröffentlichung (ich habe den O-Ton belassen, nur die Rechtschreibung ein wenig bearbeitet):
„Hallo Herr Straub,

Bitte stellen Sie diesen Bericht auf Ihren Blog, bitte, es ist wichtig!
Wie Kevin Trautner ist es schon vielen ergangen und an den Umständen hat sich rein gar nichts geändert. Wenn ich an den Auftritt von diesem arroganten Hermes Pressesprecher letztes Jahr bei Stern TV denke, wird mir heute noch übel. Zum Kotzen! Hermes ist das Schlimmste! Dagegen ist GLS und DPD ein Witz! Hermes hat die niedrigsten Löhne und beschissensten Arbeitsbedingungen. Kein Haar anders wie es im Buch von Trautner steht! Es hat sich rein gar nichts gebessert. Im Gegenteil, viele Sachen sind schlimmer geworden. Die TÜV Zertifizierungen waren alle vorher abgesprochen, sind reine Show, nichts ist besser geworden! Ich möchte jedem sagen: lest das Buch, dann wisst ihr Bescheid! Wer noch da ist, soll die Notbremse ziehen und rechtzeitig gehen, bevor es zu spät ist. Früher oder später gehen alle in die Insolvenz. Es wird sich nie etwas ändern, aber wenigstens ist es jetzt öffentlich. Jetzt auch noch Millionen für die DFL-Werbung, das ist ein Witz!
Mit freundlichen Grüßen
…“

Weitere Informationen und Link zum Buch:

www.dashermesfiasko.de 
 

12.02.2013 WDR3 Resonanzen

Gestern war ich zum zweiten Mal zu Gast in der Radiosendung WDR3 Resonanzen, diesmal zum Buch "Der Schatten".
Das Interview gibt es hier nachzuhören:
http://www.wdr3.de/programm/sendungen/wdr3resonanzen/index.html
 

03.02.2013 Vorab: Das Hermes Fiasko von Kevin Trautner

Immer wieder erreichen mich Manuskripte und Buchideen von Lesern. Im Regelfall verfolge ich solche Anfragen nicht – da muss jeder seinen eigenen Weg finden. Vor einiger Zeit durfte ich vorab „Das Hermes Fiasko“ von Kevin Trautner lesen, das in diesen Tagen erscheint.
Der Autor beschreibt darin seine Erlebnisse als „selbständiger“ Generalunternehmer von Hermes. Er betrieb im Auftrag des zur OTTO-Gruppe gehörenden Paketdienstleisters ein sogenanntes Satelliten-Depot, vom dem aus Pakete weiterverteilt werden. Trautner schildert seinen Aufstieg, den täglichen Wahnsinn bei Hermes und schließlich sein Ende in der Insolvenz. Eine Geschichte, die es wohl in ähnlicher Form noch vielfach gibt. Eindrücklich ist in Trautners Fall seine persönliche Geschichte, die immer wieder eine Rolle spielt und ihn zusammen mit dem Druck als Subunternehmer in die Tablettensucht führt. Trotz "Fiasko" hatte ich nicht den Eindruck, dass es dem Autor um Rache geht. Er schreibt überzeugt von sich selbst, was trotz des ernsthaften Themas bisweilen einer gewissen Komik nicht entbehrt, und übersteigert manch eine Formulierung. Angesichts der persönlichen Betroffenheit ist das nicht überraschend. Aber darf man das, jetzt plötzlich auspacken und die Machenschaften ans Licht bringen? Hat der Autor nicht selbst da mitgemacht? Er ist Täter und Opfer zugleich, was die Geschichte spannend macht. Das kontroverse Buch dürfte für ordentlich Zündstoff bei Hermes sorgen.
Obwohl es sich um einen Insider-Bericht aus der Paketbranche handelt, habe ich einige Parallelen zum Handel und zu Discountern im Speziellen feststellen können.
Das Buch, erschienen beim Epubli Verlag, kostet 14,90 Euro und ist damit relativ teuer, das eBook gibt es für nur 4,99 Euro – so oder so, eine lohnende Investition für alle, die einmal hinter die Kulissen der OTTO-Tochter Hermes und ihrer, wie Trautner schreibt, „Paketsklaven“ blicken möchten.
(aktualisiert am 05.02.2013)

www.dashermesfiasko.de 

10.01.2013 Alles sauber bei Aldi Süd?

Eine heimliche Überwachung von Angestellten dürfte nach dem Spitzel-Skandal des Lebensmitteldiscounters Lidl 2008 eigentlich nicht mehr vorkommen. Doch nun kommt heraus: Auch Aldi Süd soll seine Mitarbeiter mit Kameras bespitzelt haben.

Das verrät der Detektiv, der für das Unternehmen gearbeitet hat: Wolfgang Paul. Er habe von einer Aldi-Führungskraft unter anderem den Auftrag erhalten, Angestellte zu beobachten und Auffälligkeiten zu melden, sagt der Detektiv. Offiziell sollte für sechs Regionalgeschäfte mit rund 300 Discountfilialen von Aldi Süd und Aldi Suisse durch Überwachungen Kundendiebstähle verhindern – nebenbei aber ein "Auge auf die Mitarbeiter und ihre Gewohnheiten werfen". Im Zentrallager in Altenstadt hat Wolfgang Paul einen seiner größten Aufträge gehabt. "Hier musste ich im Innenbereich, bei den Toren, Minikameras installieren, um dort die Mitarbeiter zu überwachen", so Paul.

"Ein Verdacht ist schnell konstruiert"

Unter bestimmten Voraussetzungen sind solche Überwachungen erlaubt. Etwa wenn ein begründeter Verdacht besteht, Angestellte könnten ihren Arbeitgeber bestehlen. Ex-Aldi-Manager Andreas Straub erinnert sich an die Vorgänge und bezweifelt, ob ein solcher Anlass jedes Mal gegeben war: "Besonders eklatant waren ja diese Lagerüberwachungen, wo Detektive Minikameras über diesen Laderampen eingebaut haben. Da ist eben dann immer irgendein Verdacht, der ist ja dann auch immer schnell konstruiert in so einem Lager. Und wenn man einen Mitarbeiter konkret im Verdacht hätte, überwacht der Detektiv ja automatisch alle anderen auch mit", meint Straub.

Aldi weist die Vorwürfe zurück, seine Mitarbeiter heimlich bespitzelt zu haben. Deshalb hat Wolfgang Paul eine eidesstattliche Versicherung unterschrieben, die seine Behauptungen absichern soll. Denn Paul berichtet auch, die Aldi-Führung habe keine Grenzen gekannt bei den Anforderungen an den Detektiv. Selbst intimste Bereiche sollte er mit versteckten Minikameras überwachen. "Also hier hat mir eine Führungskraft in den Nebenräumen, wo die Damen sich auch umziehen, versteckte Kameras zu installieren. Da hab ich ganz klar gesagt: Das geht absolut nicht da mach ich mich strafbar. Das sollte man eigentlich wissen", berichtet der Detektiv.

Mitarbeiterüberwachungen waren "Sonderleistungen"

Schriftliche Dokumente über die Aufträge soll es kaum gegeben haben – Aldi habe das vermieden. Mitarbeiterüberwachungen seien ausschließlich mündlich abgesprochen worden, per Telefon. "Wir haben unseren Hausdetektiv, einen freiberuflichen Detektiv angerufen und um ein vertrauliches Gespräch gebeten, meistens aus dem Auto raus, und ihn dann aufgefordert, einen bestimmten Mitarbeiter zu überwachen", so der ehemalige Regionalverkaufsleiter von Aldi Süd. Wolfgang Paul: "Man wurde von den Führungskräften darauf hingewiesen, dass man irgendwelche Techtel-Mechtel unter den Arbeitern, oder wenn jemand eine schlechte finanzielle Situation hatte, dass man das sofort unverzüglich mitteilt."

In seinen Rechnungen habe der Detektiv diese Art von Dienstleistungen als "Sonderleistungen" ausgewiesen. Dass die Geschäftsleitung von der Detektivarbeit nichts wusste, bezweifelt der ehemalige Aldi-Manager Andreas Straub: "Solche Vorgänge waren im Regelfall sehr weit nach oben bekannt." Wenn die Rechnungsbeträge gewisse Summen überschreiten, dann hätten das auch höhere Vorgesetzte abzeichnen müssen, so Straub. Üblicherweise würde man dann doch nachfragen, wofür man das Geld ausgebe: Für "Sonderleistungen"?

Link:
http://www.stern.de/tv/sterntv/alles-sauber-bei-aldi-sued-detektiv-enthuellt-verdeckte-mitarbeiterkontrollen-1951225.html#utm_source=sternde&utm_medium=zhp&utm_campaign=wm3 

 

21.12.2012 Frohe Weihnachten und guten Rutsch!

Ein aufregendes Jahr geht zu Ende. Vieles war für mich geprägt von meinen Publikationen rund um den Lieblingsdiscouter. Im nächsten Jahr wird mich das Thema weiterhin beschäftigen, wenngleich neue interessante Felder im Zentrum meiner Arbeit stehen werden. Obwohl ich so wenig hier schreibe, lesen meinen Blog viele regelmäßig. Dafür herzlichen Dank. Ich werde im neuen Jahr versuchen, hier mehr unterzubringen. Vorerst frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr allen Lesern!

 

16.12.2012 Interview mit Aldi Detektiv Paule

Der ehemalige, hauptsächlich für Aldi tätige Detektiv Wolfgang Paul hat diese Woche auf www.derhandel.de ein interessantes Interview gegeben:
http://www.derhandel.de/news/unternehmen/pages/Ladendiebstahl-Ladendetektive-sind-heute-unqualifiziert-und-brutal-9265.html

Er beschreibt darin den Druck, dem er als kleiner Selbständiger in den Fängen des Discounters ausgesetzt war. 
 

 

01.12.2012 Das Neueste aus Kippenheimweiler

Also Kippenheimweiler wird von meinem Rechtschreibeprogramm mit so Wellenlinien unterstrichen, das ist normalerweise nicht gut. Ist aber ein Ort in Baden, wenn ich das richtig verstanden habe und müsste demzufolge in der Nähe von Karlsruhe sein, weil, was anderes kenne ich nicht in Baden. Da wohnt jedenfalls die Melanie Helmke. Die ist alleinerziehend und ohne Job, irgendwie. Der Aldi hat sie vor kurzem rausgeschmissen. Das ist ja nichts Ungewöhnliches, soweit. Nur halt ziemlich blöd für die Helmke, wegen dem fehlenden Geld und so. Die Helmke ist bisschen vorlaut und aufmüpfig. Das mögen die im Aldi aber nicht so. Also wollten sie die Helmke da nicht mehr haben.
Ab und zu fragen die Oberen im Aldi die Unteren, also die Leute, die da arbeiten, wie das so ist. Da kommt dann irgendwas raus und das war im Aldi Lager, wo die Helmke immer war, ziemlich igitt. Weil daran ja nur die Mitarbeiter schuld sein können, musste jetzt jemand dran glauben. Das war dann, dumm gelaufen, die Helmke. Jetzt ist das, nach dem Gesetz und so, nicht richtig haltbar und die Helmke hätte fett die Abfindung kassiert. Wollte sie aber nicht, weil, sie wusste es ja besser als alle anderen.
Dann war sie mal kurz auf Spiegel Online und RTL, zwei ganz schön große Sachen, wenn das, was die Badische Zeitung heute so schreibt, auch stimmt. Aber die wird ja ihre Informationen aus ziemlich guten Quellen haben, nehme ich mal an.
Dumm also, dass sich die Helmke jetzt auf RTL zu weit aus dem Fenster gelehnt hat, wenn das, was der Aldi in der neuen Kündigung so sagt, wirklich stimmt. Dann hat sie da was von Stasi geredet. Die hat ja gern überwacht, die Stasi, und im Aldi wird ja viel kontrolliert, so im Allgemeinen. Also hat sie das in Verbindung gebracht, irgendwie. Die Helmke hat nie eine Ausbildung gemacht und weiß natürlich nicht so ganz genau, was die Stasi war und was sie da so genau in die Kamera geblökt hat, wenn sie das denn alles überhaupt war. Die Helmke aus Kippenheimweiler weiß auch nicht so genau, wie RTL arbeitet, aber sie hat halt mal was gesagt, bevor sie überlegt hat, wenn das alles, was ich da jetzt sage, wirklich stimmt. Das war dann nicht so schlau, von der Helmke jetzt. Deswegen, weil der Aldi vielleicht nochmal einen Grund gefunden hat, sie doch wegzukriegen, sogar ganz billig. Das ist dann gut für den Aldi, weil der muss weniger Geld zahlen, und Geld zahlen sie ja nicht gern, nur dumm halt für die Helmke, weil die ist immer noch alleinerziehend und ohne Job. Achso, das ist rausgekommen, weil die von RTL die Stimme von der Helmke nicht verändert haben, anscheinend, und weil die vom Aldi vielleicht igitt sind, aber auch nicht ganz so blöd. Ich hoffe, ich habe das jetzt richtig erklären können, weil die Helmke und der Aldi, das passt alles irgendwie nicht und ist auch alles so kompliziert. Ich glaube, deswegen will auch mein Programm nicht, dass ich sowas schreibe, wie dieses Kippenheimweiler und dieses ganze Zeugs da. 

19.11.2012 Interview im Südkurier - Aldi Reaktion

Letzte Woche waren Wolfgang Paul und ich beim Südkurier zum Interview, das es online hier nachzulesen gibt:
http://www.suedkurier.de/region/bodenseekreis-oberschwaben/ueberlingen/Permanente-Ueberwachung-beim-Discounter;art372495,5774205 

Weil ich immer wieder gefragt werde, setze ich hier noch die standardmäßige Aldi Reaktion rein, die komplett veröffentlicht wurde:

Der SÜDKURIER bat Aldi Süd um Stellungnahme zu den aufgestellten Tatsachenbehauptungen. Hier die Antwort der Abteilungsleiterin Kommunikation:

 

12.11.2012 ZEIT Artikel

Hier ist mein Zeit-Artikel noch einmal zum Nachlesen:
http://www.zeit.de/2012/44/andreas-straub-fiese-chefs-anleitung
 

27.10.2012 LESEPROBE - vorab aus "Der Schatten - Im Visier des Privatdetektivs"

Eine meiner absoluten Lieblingsgeschichten im Detektivbuch, das am 1. November 2012 im rororo-Verlag erscheinen wird, ist diese hier: 



Blue Bull

«Gestern wird sein, was morgen gewesen ist. Unsere Geschichten von heute müssen sich nicht jetzt zugetragen haben», beginnt Günter Grass sein «Treffen in Telgte».
Geschenk von meiner Frau. Ich solle es mal lesen und darüber nachdenken. Grandioses Werk mit schwierigem Anfang, aber viel Wahrheit, sagt sie. Über die ersten Zeilen denke ich so lange nach, dass ich erst einmal nicht zum Weiterlesen komme.
Außerdem habe ich einen tierischen Brand, und mit meinem pochenden Schädel lasse ich mich noch tiefer als sonst in den gepolsterten Kamera-Gucker-Sessel der Billi-Filiale sinken.
Gestern war wieder Training im Schützenverein.
Gestern wird sein, was morgen gewesen ist … Ich stehe kurz vor der finalen Interpretation, als ein merkwürdiger Geruch in meine Schnüffelnase dringt. Es stinkt nach Fisch! Ich sehe mich um. Oha, denke ich, willkommen im Heute. Unbemerkt hat sich Frau Müller genähert. Die 400-Euro-Kühlwaren-Einsortier-Fachkraft hält zwei blaue Dosen hoch. Die habe sie gefunden, hinterm Regal bei den Kühltruhen. Sie sei das nicht gewesen. Eine Frechheit sei das. Ich solle mich mal darum kümmern, sagt sie und dampft ab. Geben mir jetzt schon die Aushilfen Anweisungen? Neugierig bin ich trotzdem. Ich begutachte das konservierte Bratheringsfilet und spule die Überwachungsbänder zurück. Meine Suche nach dem Übeltäter beginnt.
Minutenlang nichts, bis mir ein Kerl zwischen Kühltruhen und Kühlregal auffällt. Ich beneide ihn ein wenig, draußen ist es heiß, wir haben Hochsommer. In meinem Büro ist es noch heißer. In einer bequemen Jogginghose schiebt der Kunde seinen Einkaufswagen. Der Hitze Rechnung tragend, hat er seinen stattlichen Bauch gerade einmal in ein weißes Feinrippunterhemd gepresst. Dennoch wischt selbst dieser luftig gekleidete Herr sich den Schweiß von der hochroten Stirn und trocknet seine rechte Hand dann mit seinem Unterhemd. Wie praktisch. Seine runden Brillengläser sehen sich um. Er greift sich eine der Konserven, die in dieser Billi-Filiale aus Platzgründen auf einem Holzbrett über den Tiefkühltruhen feilgeboten werden. Tiefkühlüberbau nennen die Billi-Kreativen das, glaube ich. Eine große blaue Dose in der Hand, schiebt er seinen Einkaufswagen weiter. Das ist doch, ja, das ist es: das Bratheringsfilet!
Der Kunde stoppt. Routiniert zieht er den Deckel der Blechdose auf und führt die Öffnung an den Mund. Ich traue meinen Augen kaum: Der trinkt das Zeug! Gierig wird alles aufgesogen, bis auf einige Tropfen, die auf seinem Unterhemd landen. Mit zufriedener Miene nimmt der Mann die Dose vom Mund, atmet einmal tief durch und genehmigt sich dann erneut einen kräftigen Schluck. Jetzt geht er weiter, als sei nichts geschehen. Meine Müdigkeit ist einstweilen einer gewissen Anspannung gewichen. Aufrecht sitze ich im Sessel und verfolge den Weg des Feinripp-Mannes. Er biegt ab, bewegt sich einmal um die Kühltruhen herum – und zack fliegt die leere Dose hinter das Regal.
Erwischt!

Wenig später ein Comeback: Er dreht eine weitere Runde. Wieder greift er sich eine der Bratheringsdosen. Diesmal geht er noch ein paar Schritte weiter und stellt sich damit direkt vor die Überwachungskamera, die den Durstigen und sein fleckiges Feinrippunterhemd unbarmherzig festhält, als er die zweite Dose öffnet. Er blickt direkt in die Kamera, aber ohne sie bewusst zu registrieren und schlürft genüsslich den Saft des Bratheringsfilets. Hier und da verschüttet der Kunde wieder ein wenig und wie zuvor Nummer eins leert er auch Dose zwei, geht diesmal fröhlicher und zügiger um die Kühltruhen und pfeffert die Überreste energisch hinters Regal. Kurz darauf marschiert er durch die Kasse. Natürlich ohne zu bezahlen, aber sichtlich vitalisiert. 

Jetzt hat er die Power.
Die Überreste stehen vor mir auf dem Schreibtisch. Ihr sehr besonderer Geruch benebelt mein Gehirn und verleiht meinen Gedanken Flügel. Oder ist es der Kater? Ich gerate wieder ins Grübeln. Nicht mehr über Grass, sondern über den seltsam beschwingten Feinripp-Mann. Und dann habe ich die Idee: Dieses Bratheringsfilet, das wird ein neuer Energy Drink! Ich weiß nicht mehr, wie ich darauf komme, aber ich nenne ihn: Blue Bull.
Das ist sie. Meine Chance, hier rauszukommen …

11.10.2012 Lesung in Bensheim

LESEFESTIVAL: Ex-Manager Andreas Straub beschreibt in seinem Buch die Firmenpolitik des Discount-Riesen / „Schikane als Methode“

Aldi von innen: Wer aufbegehrt, fliegt

Aus dem "Nähkästchen einer Geldmaschine" - gemeint sind die Discount-Riesen - plauderte Andreas Straub im Rahmen des Lesefestivals.

© Lotz

BENSHEIM. Mit 22 Jahren heuert Andreas Straub bei Aldi an. Der junge Mann legt eine rasante wie steile Karriere hin. Nach drei Jahren schmeißt er hin und schreibt ein Buch über das Betriebssystem des großen Discounters. Ein Konzept aus Kontrolle, Angst und Einschüchterung. Die Essenz: Neben der rigiden Preispolitik fährt der billige Branchenprimus eine nicht minder brutale Personalpolitik.
Der Betriebswirt begann 2007 als Trainee bei Aldi Süd und wurde mit 23 Jahren der jüngste Bereichsleiter des Unternehmens. Er selbst war Teil eines "menschenverachtenden Systems", wie er in Bensheim erklärt. Am Montag präsentierte Straub im Rahmen des Lesefestivals sein Buch "Aldi - einfach billig" im voll besetzten Bacchus-Keller.
Da plauderte einer aus dem Nähkästchen einer Geldmaschine, der die internen Strukturen aus nächster Nähe kennt. Nein, Hausverbot habe er nicht, sagt er nach der Veranstaltung. Der "Verräter" ist heute selbstständig und betreibt ein Modelabel. Der Einzelhandel dürfte für Straub ein für alle Mal gestorben sein.
Angenehm ist: Er berichtet ohne Schaum vorm Mund. Das Unternehmen habe ihn fasziniert. Die straffe und schlanke Organisation. Der Asket unter den Lebensmittelläden. Doch die Inhaber gehören zu den reichsten Menschen Deutschlands. Straub lockt das Gehalt, immerhin 60?000 Euro und ein Dienstwagen mit Tankkarte. Nach dem Studium wollte der Neueinsteiger schnell Verantwortung übernehmen und eigene Entscheidungen treffen.

Eigenes Denken nicht erwünscht
Nach kurzer Zeit leitet er bis zu acht Filialen. Er setzt Anordnungen um und leistet sich einen Hauch zu viel Eigendynamik. "Eigenes Denken ist bei Aldi nicht gern gesehen." Es gehe darum, Befehle umzusetzen. Straub arrangiert sich mit dem Prinzip - trotz des immensen Leistungsdrucks, der den Frischling wie alle Kollegen erreicht. Als Trainee muss er ein Vierteljahr an die Discounter-Front in die Regal-Tiefebene. Arbeitszeiten: Sechs bis 21 Uhr.
Schon in den ersten Tagen bekommt er mit, wie langjährige Mitarbeiter mürbe gemacht und weichgekocht werden, bevor sie ihren Aufhebungsvertrag in Empfang nehmen. "Schikanen sind Alltag und Methode", kommentiert er in Bensheim. Wer nicht ins System passt, werde herausgemobbt. Jüngere Mitarbeiter werden auf Linie gebracht.
Als ehemaliger Aldi-Süd-Manager hatte Andreas Straub die mediale Berichterstattung über die schlechten Arbeitsbedingungen ins Rollen gebracht. Mitarbeiter würden ausgehorcht, videoüberwacht und systematisch demontiert. Es gibt exzessive und zum Teil auch manipulierte Testkäufe, bei denen das Kassenpersonal keine Chance habe. Fast jeder Verkäufer sammelt Abmahnungen. Er selbst hat das Spiel mitgemacht und im Aldi-Modus durchaus funktioniert. Für Abmahnungen hatte Straub einen Abreißblock.
"Das Prinzip Aldi beruht allein auf Kosteneffizienz." Der Anspruch: Billig um jeden Preis. Die Belegschaft zahlt drauf. Der Mensch ist ein variabler Kostenfaktor. Wer am besten die Personalkosten drückt, steige am schnellsten die Karriereleiter auf. Der extreme Wettbewerb zwischen den rund 30 Regionalgesellschaften wird nach unten weitergegeben. "Es funktioniert", so Straub über Druck als leistungssteigerndes Mittel.
Der Kreativität der Bereichsleiter sind keine Grenzen gesetzt. Es gebe Mitarbeiter, die abgemahnt wurden, weil sie unrasiert waren. Betriebsräte hätten keine Chance. Zur Not gründet Aldi selbst welche, die mit ausgesuchten Mitläufern besetzt werden, so der Ex-Manager weiter.

Selbst die Freundlichkeit der Mitarbeiter ist knallhart standardisiert. "Wer nicht mitspielt, ist ganz schnell raus." Von Kündigung spricht intern keiner. "Herausnehmen", heißt das im Aldi-Jargon. Kontakte, freundschaftliche sowieso, zwischen Kollegen aus unterschiedlichen Hierarchieebenen werden von der Konzernleitung verboten.
Mit seinem Insider-Report kratzt Andreas Straub am noch immer recht sauberen Image von Aldi. Er glaubt nicht, dass er an den festen Strukturen etwas ändern kann. Vielmehr will er den Verbraucher aufklären über die Welt hinter den Kulissen der Niedrigstpreise. Damit enttarnt er nicht nur die Aldi-Tricks, sondern die Strategien aller Discounter. "Netto ist derzeit am extremsten." Auch bei Lidl hat er sich beworben. Schon mit journalistisch gefärbten Hintergedanken, wie er bekennt. Das Billigheimer-Prinzip ist längst Standard. Aldi wirkt nachhaltig. tr

© Bergsträßer Anzeiger, Mittwoch, 10.10.2012

14.09.2012 Aldi Demokratie - Einfach erfolgreich.

Der Bayerische Rundfunk sendete gestern einen 5-minütigen Beitrag zur engen Verzahnung zwischen Aldi und der Bürgerinitiative in Gilching nahe München.
Hier soll ein neues Aldi Logistikzentrum entstehen. Da Aldi keine Mehrheit im Gemeinderat fand, wurden die Billig-Bosse offensichtlich wieder kreativ. Eine Eigenschaft, die man sonst eher aus arbeitsrechtlichen Zusammenhängen kennt. Der naheliegende Verdacht, dass Aldi eine Bürgerinitiative mitgründete oder zumindest nun intensiv unterstützt wird vom BR dokumentiert, nachzusehen unter:  
http://www.br.de/fernsehen/bayerisches-fernsehen/sendungen/quer/120913-quer-spekulanten-100.html?time=0
Schlau, oder? Um die aktuelle Aldi Image Kamagne zu zitieren: "Weniger Vorurteile, mehr Vorteile - Einfach erfolgreich".

30.08.2012 Lebensmittelzeitung "Zu lasch und wenig durchgriffswillig"

11.08.2012 Ende ohne Polster

Am 11. Juli diesen Jahres hat sich die junge Frau zurechtgemacht. Sie nimmt eine aufrechte Haltung ein, spielt an ihrem Haar und sieht sich in dem kleinen Besprechungsraum ein wenig unsicher um. Sie muss eine gute Figur abgeben. Schließlich soll heute ein großer Tag werden, für sie. Sie trägt einen schicken Hosenanzug, ist dezent geschminkt und verbirgt ihre Anspannung unter einem tapfer-hübschen Lächeln. Vielleicht ist es das erste Mal für sie.

Ihr Begleiter hingegen, ein ernster Herr, wirkt routiniert. Sein dunkler Anzug ist nicht verstaubt, aber, wie er selbst, doch ein wenig in die Jahre gekommen. Er sieht die junge Frau an und wirkt teilnahmslos. Er spricht wenig. Wahrscheinlich hat er es schon etliche Male hinter sich. Er gibt ihr Sicherheit.

Was sich im Standesamt abspielen könnte, vollzieht sich in einem muffigen Hinterzimmer. Was nach einer Trauung aussieht, ist in Wahrheit eine Trennung. Was romantisch werden könnte, endet gänzlich unromantisch. In einer Aldi Filiale im Großraum Köln. Eine, wie sie überall sein könnte.

Ich war nicht dabei, aber ich kenne solche Situationen, war oft genug auf der einen, am Ende schließlich auf der anderen Seite. Dumm nur für Melanie K., dass sie nun auf der anderen Seite sitzt und sich die Minen der jungen Frau und ihres erfahrenen Begleiters verfinstern.

Melanie K. aus Kerpen ist Mitte dreißig. Sie ist seit knapp zwölf Jahren bei Aldi beschäftigt – erst als normale Verkäuferin, später ist sie ein bisschen aufgestiegen und erhielt die Befugnis, den Filialleiter zeitweilig zu vertreten. Da war sie stolz. Sie hat viel erlebt, viel erduldet und doch ist sie dabei geblieben. Sie ist eine treue Seele. Frau K. dachte, sie könne für immer bei Aldi bleiben. Schließlich war sie immer fleißig, immer schnell, selten krank und meistens mit Spaß bei der Arbeit.

Bis letztes Jahr die Probleme begannen: ein Bandscheibenvorfall.Sie war zwar immer noch fleißig, aber plötzlich nicht mehr ganz so schnell und mehrmals krank. Der Rücken machte ihr zu schaffen. Dennoch ging sie zur Arbeit. Das Klima in ihrer Filiale beschreibt sie als gut, ihre Kollegen und ihren Filialleiter als eingespieltes Team. Sie tat nach wie vor ihr Möglichstes.

Doch offensichtlich war das zu wenig. Zu wenig in der Welt des Hochleistungs-Discounters. Weil Köln aber in Deutschland ist und weil es in Deutschland Gesetzte gibt, die den Arbeitnehmer schützen, mussten andere als die gesundheitlichen Gründe gefunden werden. Davon ist Melanie K. überzeugt. Über einen längeren Zeitraum hinweg sei sie mit Hilfe der Kameras in ihrer Filiale beobachtet worden, sie fühlte sich schärfer kontrolliert und gegängelt. Und schließlich unterlief ihr folgenschwerer Lappsus.

Es war wie immer zu viel los, zu wenig Personal und so zahlte sie einer Kundin, an die sie sich nicht mehr genau erinnern kann, einer von hunderten an diesem Tag, die zwei Polsterauflagen, was auch immer das genau sein mag, zurückgeben wollte, den Betrag ohne größere Prüfung aus. Eine gängige Praxis, wie Frau K. sagt, zumal es sich lediglich um 25 Euro handelte. Sie hatte der Kundin vertraut.

Ein Fehler, denn scheinbar handelte es sich um eine Betrügerin. Bei einer Inventur wurde festgestellt, dass drei Polsterauflagen fehlten. Zwei davon, so viel steht fest, hat Melanie K. auf dem Gewissen.

Und so sitzt sie nun der jungen Frau, die sich zurechtgemacht hat und ihrem erfahrenen Begleiter, der sie berät, im Hinterzimmer der Aldi Filiale gegenüber. Sie weiß erst nicht, was das alles soll und ist überrascht von der Situation. Die Atmosphäre ist eisig. Und langsam dämmert der Aldi Verkäuferin, dass es hier um ihren Job geht.

Ob sie denn von sich aus alles zugeben wolle, wird König-Esser gefragt.

„Nein, was denn?“ antwortet sie.

Ihr wird vorgeworfen, sie habe die beiden Polsterauflagen gestohlen. Die Aldi Verkäuferin ist empört und bestreitet alles. Dass drei fehlen, können sich die Aldi-Manager erst nicht erklären, revidieren schließlich ihre Angaben auf zwei. Wie sie überhaupt viel ändern und revidieren, erinnert sich die Verkäuferin. Mehr als drei Stunden dauert das Tribunal.

Als Melanie K. den Diebstahl abstreitet, wird ihr vorgeworfen, das Geld aus der Kasse genommen zu haben. Sie kann es kaum fassen. Natürlich habe sie das nicht getan, versichert sie. Dann werden Videos vorgeführt. Sie zeigen, wie die Mitarbeiterin überwacht wurde. Ungeschickterweise beweisen sie aber den Diebstahl nicht. Laut K. zeigen die Szenen nur, wie sie ihrer normalen Arbeit nachgeht. Die Aldi Manager sind zusehends verzweifelt, müssen sich ständig beratschlagen und verlassen immer wieder für mehrere Minuten den Raum. Der Ratgeber in Aktion. König-Esser kann es kam glauben.

Sie solle einen Aufhebungsvertrag unterschreiben, schlagen die Aldi Leute vor. Man bietet ihr an, sie noch eine kurze Zeit weiter zu bezahlen, wenn sie sofort unterschreibe und alles zugebe.

Sie tut es nicht.

„Ich habe mir nichts vorzuwerfen“ versichert sie immer wieder.

Ihr Gegenüber hat nicht nur sich, sondern auch eine fristlose Kündigung zurechtgemacht. Die erhält Frau K.. Zu den Gründen wird in diesem Schriftstück keine Angaben gemacht. Ob sie sich ihren großen Tag so vorgestellt hat?

Arrogant und abschätzig sei sie verabschiedet worden, erinnert sich die Verkäuferin. Für sie bricht eine Welt zusammen. Von heute auf morgen arbeitslos. Sie fühlt sich schutzlos und ausgeliefert. Was soll aus ihr werden? Sie sagt: „Ohne meine Familie, wüsste ich nicht, was ich machen würde.“

Selbstverständlich habe ich Aldi mit den Vorwürfen konfrontiert. Dort gibt man sich gewohnt zugeknöpft. Mit Verweis aus den Datenschutz, den man sehr ernst nehme, möchte sich der Konzern zu dem Fall nicht äußern.

Ein Ende ohne Polster für Melanie K.. Dass sie zwei Polsterauflagen einmal in existenzielle Nöte bringen könnten, das hat sie nicht erwartet. Und so ist sie enttäuscht von ihrem Arbeitgeber. Dennoch will sie zurück an ihren Arbeitsplatz. Eine andere Stelle sei schwierig zu finden und vielleicht, so hofft sie, renke sie alles wieder ein.

Deshalb hat sie am 13.07.12 Wiedereinstellungsklage erhoben. Ende September werden sich die Aldi Verkäuferin und ihre Vorgesetzten vor dem Kölner Arbeitsgericht in einer öffentlichen Verhandlung wiedersehen.

 

31.07.2012 Interview Stuttgarter Zeitung

Ex-Aldi-Manager klagt an „Wer sich beschwert, fliegt raus“

Philipp Scheffbuch, 31.07.2012 11:20 Uhr

 

Stuttgart – Aldi ist das erfolgreichste und wohl auch verschwiegenste Unternehmen im deutschen Handel. Der Betriebswirt Andreas Straub hat vor fünf Jahren seinen Job bei Daimler aufgegeben, um bei Aldi anzuheuern. Der Konzern teilt sich in die weitgehend unabhängig voneinander agierenden Teile Aldi Süd (Straubs Arbeitgeber) und Aldi Nord auf.
Herr Straub, Sie haben für Daimler und für Aldi Süd gearbeitet, was haben die beiden Unternehmen gemeinsam?
Nicht besonders viel, abgesehen davon, dass beides große und erfolgreiche Konzerne sind.

Wo sind die Unterschiede?
Daimler ist in erster Linie aufgrund von Innovation und Marketing erfolgreich, Aldi hauptsächlich durch Kostendrückerei.

Aber Aldi hat ein ähnlich hohes Ansehen wie Daimler.
Da sehe ich schon gewaltige Unterschiede. Aber Sie haben recht: innerhalb des Einzelhandels besitzt Aldi tatsächlich ein verhältnismäßig gutes Image, wohl auch weil viel über Skandale bei anderen Ketten berichtet wurde. Dadurch hat der Kunde vielfach gedacht, dass es bei Aldi besser sein müsse.

Auch Sie haben das offenbar gedacht. Warum sind Sie von Daimler zu Aldi gegangen?
In meiner Unerfahrenheit habe ich gedacht, ich gehe zu einem gut strukturierten, schlanken Konzern mit hervorragenden Karriereaussichten. Gehalt und Dienstwagen haben mich zugegebenermaßen auch gelockt.

Wie viel mehr als bei Daimler haben Sie dort verdient?
Ich schätze 25 Prozent.

Bei gleicher Stundenzahl?
(lacht) Nein, bei Aldi habe ich sicher doppelt so lange gearbeitet, 70 bis 80 Stunden Arbeit die Woche waren normal. Aber darüber habe ich mich nie beschwert.

Warum gehen Sie mit Aldi so hart ins Gericht?
Ich beschreibe, was ich erlebt habe und nehme die Erfahrungen weiterer Informanten auf, die die Systematik meiner Eindrücke belegen.

Was sind Ihre Hauptvorwürfe?
Es herrscht ein Umgangston wie auf dem Kasernenhof, die geleisteten Arbeitsstunden werden nicht ordnungsgemäß erfasst und vergütet und immer öfter wird teureres Personal durch billigeres ersetzt.

Viele Kunden sind begeistert, dass die Kassierer so freundlich und schnell sind und die Läden so sauber sind.
Ja, das verstehe ich; ging mir genauso. Bei Aldi ist alles genauestens vorgegeben. Die Geschwindigkeit, die Grußformeln, das Erscheinungsbild, alles. Und das wird regelmäßig durch anonyme sogenannte Testkäufer überprüft, organisiert häufig von Detekteien. Auch wenn man es vielleicht nicht merkt, aber die Mitarbeiter stehen unter enormem Druck und leisten einiges.

Bisweilen wird behauptet, die Aldi-Süd-Mitarbeiter seien im Schnitt deutlich jünger als die der Wettbewerber. Stimmt das?
Das stimmt und ist gewollt. Ältere Mitarbeiter werden schließlich oft langsamer und sind häufiger krank. Deshalb versucht Aldi Mitarbeiter ab Mitte vierzig vorzeitig loszuwerden. Dass bei Aldi Süd jemand in Rente geht, ist eine absolute Rarität.


Wie wird man ältere Mitarbeiter los?
Wir haben oft Testkäufe eingesetzt. Das geht so: In einem Einkaufswagen eines beauftragen Kunden wird ein Artikel versteckt und nicht aufs Kassenband gelegt. Es wird also ein Fehler der Kassierer provoziert: wenn der Kassierer den versteckten Artikel nicht findet, bekommt er eine entsprechende Abmahnung. Bei der dritten Abmahnung trennt sich Aldi von der Person, schließlich hat man genügend „Beweise“ um notfalls vor Gericht zu bestehen. Die oft teilzeitbeschäftigten Mitarbeiter leisten übrigens regelmäßig Überstunden, auf die sie wegen ihrer niedrigen Grundeinstufung angewiesen sind. Und will man einen Mitarbeiter loswerden, wird hier vom Spielraum des Arbeitgebers Gebrauch gemacht.

Wie das?
Die Mitarbeiter werden immer weniger eingeteilt, so dass sie auf ihr niedriges Grundgehalt zurückfallen. Viele brauchen aber die zusätzlichen Stunden um ihre Miete bezahlen zu können. Die Mehrarbeiten sind aber nur mündlich versprochen worden. Viele kündigen dann von selbst. Für Aldi hat das den Vorteil, dass die Manager den Mitarbeiter nicht wie gewohnt rausekeln müssen. Im Buch schildere ich ja einige eklatante Fälle, wie so etwas abläuft. Nicht zuletzt habe ich es selbst erlebt. Aber wenn jemand ganz bequem selbst kündigt, kann das Aldi Management in Ruhe jemand Neues ins Rattenrennen schicken.

Werden bei Aldi auch Azubis beschäftigt?
Ja, in großem Stil. Intern werden sie mehr spöttisch als liebevoll „Auszubeutende“ genannt.

Warum?
Die lernen kassieren und Regale einräumen. Die Azubis werden eingesetzt für Dinge, die früher normale Verkäuferinnen erledigt haben.

Sie sagen, dass in Ihrer Zeit bei Aldi Süd auch viele von der Bundesagentur für Arbeit bezahlte Einstiegsqualifizierungs-Praktikanten beschäftigt wurden. Können Sie das konkretisieren?
Ja, bei Aldi war es gang und gäbe, dass Jugendliche ohne Ausbildungsstelle zum Regaleinräumen und Putzen eingesetzt werden. Die Kosten trug die Bundesagentur für Arbeit, weil die Arbeitsagenturen hofften, dass die Jugendlichen später bei Aldi einen Ausbildungsplatz bekommen. Es war aber von Anfang an klar, dass Aldi die schwer vermittelbaren Jugendlichen nur so lange bei sich haben wollte, solange sie keinen Cent gekostet haben, eine echte Chance auf einen Ausbildungsplatz hatten die wenigsten.

Das Unternehmen entgegnet auf Ihr Buch: „Aldi Süd arbeitet seit jeher auf der Basis von Führungs- und Organisationsgrundsätzen, die von Respekt und Verantwortung gegenüber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geprägt sind und hat seit vielen Jahren Werte und Regeln für ein faires und respektvolles Miteinander festgelegt.“
Ja, ich habe von diesen Grundsätzen gelesen. Erlebt habe ich etwas anderes. Die verschrifteten Unternehmensgrundsätze sind reine Luftblasen, die mit der Realität im Unternehmen wenig zu tun haben.

Darauf kann sich ein Mitarbeiter doch berufen und sich über Missstände beschweren.
Ja, das können Sie machen, wenn Sie bald ein ehemaliger Mitarbeiter sein wollen. Kritik ist bei Aldi nicht erwünscht. Ich habe die Erfahrung gemacht, wer sich beschwert, fliegt raus.

Gehen Betroffene nicht zum Betriebsrat?
Betriebsrat? Wir hatten keinen. Es gibt bei Aldi Süd flächendeckend meines Wissens nur einen einzigen Betriebsrat, und zwar in der Regionalgesellschaft Frankfurt. In den wurden jedoch seitens der Unternehmensleitung schnell genehme Filialleiter gebracht. Alle Bestrebungen, einen echten Betriebsrat zu gründen, wurden seitens der Unternehmensführung bisher verhindert.

Die Gewerkschaft spielt dort keine Rolle?
Nein, wirklich überhaupt keine! Es wundert mich, dass Verdi überhaupt keinen Fuß in die Tür von Aldi Süd bekommt. Man gewinnt bisweilen den Eindruck, dass die Gewerkschaft es auch gar nicht mehr versucht oder schon längst aufgegeben hat. Meines Erachtens wäre es gut, wenn Verdi sich stärker mit dem Unternehmen befassen würde.

Die Gewerkschaft hat früher einige wenige Anläufe unternommen.
Ja, aber die dezentralen Strukturen, die bei Aldi Süd vorherrschen, und die Angst und der Psychoterror im Unternehmen wiegen so schwer, dass Verdi mehrmals gescheitert ist. Jeder versucht nur, den Kopf einzuziehen und nicht selbst ins Visier der Bosse zu geraten. Solidarität müssen Sie da suchen.

Aber Aldi soll doch mehr bezahlen.
Das stimmt, gemessen am bezifferten Stundenlohn. Nur werden längst nicht alle geleisteten Stunden vergütet. Und damit sinkt der tatsächliche Stundenlohn auch wieder deutlich.

Unbezahlte Mehrarbeit ist seit langem ein Thema im Discount. Lidl hat in den Filialen die elektronische Zeiterfassung eingeführt, um den Vorwurf zu entkräften. Haben Sie eine Erklärung, warum Aldi die Arbeitszeit nach wie vor manuell erfassen lässt?
Ja, natürlich. Man will die Unklarheit bewusst haben. Im Zweifel wird die Arbeitszeit zu Gunsten des Unternehmens erfasst. Damit spart sich ein Großkonzern mit Zehntausenden von Mitarbeitern natürlich Unmengen an Geld.

Wer Ihr Buch liest, fragt sich, warum Sie jahrelang dort mitgearbeitet haben, wenn die Methoden doch so fragwürdig waren.
Ich war ein Teil dieses Systems. Anfangs habe ich zwar starke Zweifel bekommen und alles mit großen Augen bestaunt, aber man nimmt das dann als gegeben und als normal hin. Deshalb stellt Aldi nur Absolventen unter 30 in meiner Position ein. Tatsächlich wurde ich Teil des Systems. Wenn ich heute eines bereue, dann nur, dass ich nicht schon früher aufgehört habe.

Nochmals zum Verständnis: Sie waren selbst bei Kündigungsgesprächen dabei, in denen Verkäuferinnen laut angeschrien wurden. Und Sie sind dennoch geblieben.
Es ist rückblickend schwer zu begreifen, auch für mich. Die obersten Chefs haben uns immer eingetrichtert, Aldi wäre ja nicht so erfolgreich, wenn das alles falsch wäre.

Wollen Sie sich mit dem Buch revanchieren?
Zu Beginn meiner Arbeit war ich schon ein bisschen auf Rache aus. Aber das hielt nur ein paar Wochen. Inzwischen geht es mir darum, dass sich die Zustände ändern.

Welche Zustände sollen sich ändern?
Aldi Süd sollte endlich Betriebsräte ermöglichen und die geleistete Arbeitszeit der Mitarbeiter objektiv erfassen und den Umgangston verbessern.

Viele Kunden sagen: Missstände gibt es im Lebensmittelhandel überall.
Das stimmt, in der Branche ist es allgemein schwierig, auch wenn der Druck und das schon paranoide Misstrauen gegen Mitarbeiter bei Aldi nach wie vor als extrem gelten dürften.

Was sind die Reaktionen auf Ihr Buch?
Für viele Mitarbeiter war es erhellend, dass es keine individuellen Fälle sind, die sie erleben müssen, sondern dass ein fragwürdiges System dahintersteckt. Ich erhalte viele Zuschriften und eine unheimliche Wucht von bestätigenden Mails.

29.07.2012 Über vier Mio. Steuergelder für Aldi

Der Discount-Riese Aldi hat allein in den Jahren 2009 bis 2011 mehr als vier Millionen Euro Subventionen vom Bundesamt für Güterverkehr (BAG) bekommen. So wurden die Regionalgesellschaften von Aldi Süd mit 1,75 Millionen Euro aus dem Programm De-minimis gefördert. Das Programm richtet sich an Unternehmen des Güterkraftverkehrs, "die bestimmte Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit oder zum Schutz der Umwelt durchführen". Außerdem bekam Aldi Süd 876841,66 Euro für Weiterbildungsmaßnahmen. Aldi Nord erhielt ebenfalls 1,65 Millionen Euro aus dem De-minimis-Programm, allerdings kein Geld für Weiterbildung. Dass Aldi eigentlich ein Handelsunternehmen ist, spielt nach Angaben des BAG keine Rolle: Die Programme dienten dem Ausgleich für die Maut-Zahlungen; da Aldi auch über einen großen Fuhrpark verfüge, gelte es als "Werkverkehrsunternehmen" und sei damit förderberechtigt. Aldi macht weltweit einen Umsatz von rund 57 Milliarden Euro, der Gewinn wird auf mehrere hundert Millionen Euro geschätzt.

http://www.spiegel.de/spiegel/vorab/aldi-bekommt-mehr-als-vier-millionen-euro-subventionen-a-846940.html

13.07.2012 Rezension Lehrerbibliothek.de

Eine sehr gelungene und umfassende Rezension auf Lehrerbibliothek.de:
 
„Wen kostet billig?“ oder „Wem schaden Niedrigstpreise?“ unter diesen Fragestellungen ließe sich ein ganzes Fass aufmachen. Der ehemalige Aldi-Süd-Manager Andreas Straub betrachtet in seinem dokumentarischen Wirtschaftsroman die Auswirkungen der „Geiz-ist-geil“-Mentalität auf die Personalpolitik von Discountern.

Der junge Autor, der von 2007 bis 2011 bei Aldi Süd als Trainee und später als Bereichsleiter gearbeitet hat, beschreibt in seinem detailreichen Erfahrungsbericht – nach ein paar einführenden Worten – seinen Aufstieg und Fall innerhalb des Unternehmens fast durchgängig chronologisch. 

Er erläutert dabei also sowohl seine Hoffnungen und Vorstellungen bei Arbeitsantritt als auch den konkreten Ablauf seiner Karriere und seine jeweiligen Aufgaben und ergänzt das Ganze um zahlreiche konkrete Gesprächsprotokolle und Situationsbeschreibungen, die Erfahrungen von ihm und anderen Kolleginnen und Kollegen während dieser Zeit wiedergeben. Durch Die Verwendung wörtlicher Rede in den Gesprächsbeispielen liest sich das Buch flüssig und spannend wie ein Wirtschaftskrimi.

Als Bewerber lockten Straub neben teurem Dienstwagen und vergleichsweise hohem Gehalt die klaren Strukturen, das gute Preis-Leistungs-Verhältnis und die breite Kundenschicht (von arm bis wohlhabend) beim erfolgreichen Unternehmen Aldi anzuheuern. Der despektierliche Unterton im Titel des Buches „Aldi – einfach billig“ bezieht sich also weniger auf die asketische Gestaltung des Discounters und die Billigpreise an sich, sondern vielmehr auf den durch den Billigwahn geförderten Kostendruck auf die Personalpolitik. Straubs Kritik am Unternehmen fließt daher in erste Linie in die Verhaltensbeschreibungen zahlreicher Aldi-Führungskräfte ein. Abgesehen von wenigen Ausnahmen beschreibt Straub insbesondere die Filial- und Bereichsleiter als willkürlich und oftmals geradezu unverschämt im Umgang mit ihren Untergebenen. Anhand zahlreicher Beispiele belegt Straub dabei die Tendenz, langfristige Arbeitsverhältnisse und eine positives Betriebsklima zu unterbinden und die Mitarbeiter unter Druck zu setzen. 

Wird ein Mitarbeiter durch langjährige Betriebszugehörigkeit teurer oder unterstellt er sich nicht mehr flexibel und klaglos wie ein leicht-biegsames Puzzleteil der willkürlich agierenden Führungsmaschinerie, macht man kurzen Prozess mit ihm. Straub beschreibt eindrücklich, wie die Arbeit jeder Filiale und jedes Mitarbeiters durch die Führungskräfte (über-)kritisch beäugt und „Fehler“ in fast stasihafter Weise schriftlich festgehalten werden. Indem man einem Wackel-kandidaten dann die oftmals pingeligen Kleinigkeiten völlig aufgebauscht vor den Kopf stößt und – so belegt es Straub an zahlreichen Beispielen – mit Lügen und Unterstellungen würzt, lässt er sich in der Regel relativ schnell einschüchtern und akzeptiert eine Kündigung mit unzureichender Abfindung, um der zermürbenden Situation zu entfliehen. Manch „harter Hund“ wird zuvor zusätzlich mit übelstem Mobbing weichgekocht, in das die Führungskräfte gerne auch Kollegen und Kolleginnen miteinbinden. In großer Runde werden so z. B. die Wackelkandidaten verspottet und mit „niederen“ Aufgaben versehen. In einer solchen Atmosphäre mangelnder Kollegialität und willkürlicher Führung werden Mitarbeiter nicht selten krank und bangen beständig um ihren Arbeitsplatz. Damit sie nicht selbst auf die Abschussliste geraten, mucken sie nicht auf und schultern (oftmals sogar regelmäßig) unbezahlte Überstunden. 

Inzwischen hat es das vor wenigen Monaten erschienene Buch bereits in die Bestsellerlisten geschafft und Straub mit seinem Thema in so manche Talkshow. Günter Wallraff, einer der Größten unter den „Undercover-Ermittlern“, hat das dokumentarische Buch mit einem sehr aufschlussreichen Vorwort bereichert und damit Straubs wichtiges Anliegen, nämlich Missstände in der modernen Arbeitswelt und Auswüchse moderner Hire-und-Fire-Mentalität zu monieren, tatkräftig unterstützt. 

Ein Buch, das auch Schülerinnen und Schüler ab der 8. Klasse im Gesellschafts- und Arbeitskundeunterricht brennend interessieren wird, denn es bietet zahlreiche Anknüpfungspunkte für ihre eigene Zukunft als Arbeitnehmer oder –geber. Es geht um Arbeit und Moral, Vertrauen und Kontrolle, Vor- und Nachteile von Betriebsräten, Arbeitsrechte, gesellschaftliche Tendenzen, Mobbing – und vor allem , darum auch bei den eigenen Arbeitgebern den kritischen Blick zu bewahren und Missstände mutig zu monieren, genau so wie es Straub uns hier mutig vorgelebt hat.

Simone Wenderoth

http://lbib.de/ALDI-einfach-billig-Ein-ehemaliger-Manager-packt-aus-74852 
 

11.07.2012 Fachpresse "Der Handel"

Buch des Monats
Das Wirtschaftsmagazin Der Handel ­verlost unter seinen ­Lesern fünf Exem­plare des Buches "Aldi - Einfach billig".


Wenn Führungskräfte in Büchern mit ihren ehemaligen Arbeitgebern abrechnen, ist das grundsätzlich mit Vorsicht zu genießen. Denn man kann als Leser nicht abschätzen, ob es sich um einen privaten Rachefeldzug handelt und wie viel Wahrheit in den Anschuldigungen steckt. Der Betriebswirt Andreas Straub hat vier Jahre für den Discountriesen Aldi gearbeitet und wurde mit 23 Jahren der jüngste Bereichsleiter des Unternehmens. Er schildert den hohen Arbeits- und Kostendruck, die Einschüchterungsversuche und Überwachungsmethoden – aber ohne zu jammern oder anzuklagen. Eine lohnende Lektüre über das "System Aldi", das vermutlich so ähnlich auch bei anderen Discountern praktiziert wird. 

Andreas Straub: Aldi – Einfach billig. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek, 2012. 336 Seiten, 8,99 €.

Das Wirtschaftsmagazin Der Handel ­verlost unter seinen ­Lesern fünf Exem­plare des Buches "Aldi - Einfach billig".

Schicken Sie eine E-Mail mit der Betreffzeile "Buch des Monats", Ihrem Namen, Firma und Adresse an der.handel@dfv.de.

Ihre Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. 

Einsendeschluss ist der 22. August 2012. Die Gewinner werden schriftlich benachrichtigt, der Rechtsweg sowie eine Aus­zahlung in bar sind ­aus­­geschlossen.

http://www.derhandel.de/news/partner/pages/Buch-des-Monats-8731.html
  

27.06.2012 Artikel im Schwäbischen Tagblatt

ZU WEICH FÜR DEN DISCOUNTER

Der gebürtige Rottenburger Andreas Straub prangert Aldi an

Mit seinem Enthüllungsbuch „Aldi – Einfach billig“ steht der ehemalige Aldi-Manager Andreas Straub derzeit auf Platz Acht der Spiegel Bestsellerliste. Der ehemalige Schulsprecher des Eugen-Bolz-Gymnasiums beschreibt darin, wie der Discounter mit seinen Mitarbeitern umgeht.

Rottenburg. Andreas Straub hatte sich bewusst bei Aldi beworben. Er hätte auch bei Daimler bleiben können, wo er ein Duales Studium der Betriebswirtschaftslehre absolvierte. Doch der Großkonzern kam ihm konservativ und schwerfällig vor. „Vor allem den Erfolg des Discounters, das Aldi-Prinzip zu erlernen, zog mich an“, sagte der 27-Jährige im TAGBLATT-Gespräch. Auch Gehalt, Dienstwagen und die klare Struktur bei dem Discounter hätten ihn beeindruckt. Er heuerte als Bereichsleiter bei Aldi Süd an.
Am zweiten Arbeitstag lernte er seinen Chef kennen. Der brachte ihm gleich bei, wie man beim Konzern „ein ernstes Gespräch“ führt. Da wurde ein Filialleiter, der 17 Jahre dabei war, über Stunden mit einer Liste von Vorwürfen konfrontiert, die der Chef zuvor „in Stasi-Manier“ bei den Mitarbeitern gesammelt hatte. „Es ging um Kleinigkeiten: hier ein paar Nektarinen zu viel weggeworfen, dort fünf Minuten zu spät gekommen“, schilderte Straub diese Situation.
Als der Mann nach Stunden „weich gekocht“ war, wurde der Hauptvorwurf verhandelt: Der Mann hatte ein Zelt bei Aldi gekauft und es zurück gegeben, weil ein Reißverschluss kaputt war. Was folgte, wird intern als „der kleine Bluff“ bezeichnet: Der Verkaufsleiter behauptete, laut einem Gutachten sei das Zelt nicht kaputt gewesen. Der Mitarbeiter hatte die Wahl zwischen fristloser Kündigung, ordentlicher Kündigung und Auflösungsvertrag.
„Der Mitarbeiter machte den Fehler, den Auflösungsvertrag zu unterschreiben, und hatte hinterher mit seinem Anwalt keine Chance mehr“, erzählte Straub. Das Gutachten gab es nicht. Der wahre Grund für den Rausschmiss waren die roten Zahlen der Filiale. „Danach musste der Stellvertreter mit weniger Gehalt die Arbeit des Filialleiters machen.“ Betriebsräte gebe es kaum bei Aldi Süd. „Wenn es sich gar nicht vermeiden lässt, werden Führungskräfte zu Betriebsräten gemacht.“
Straub behauptet, dass solche Methoden bei Aldi keine Einzelfälle, sondern Methode sind: „Mitarbeiter werden einzeln ausgehorcht, systematisch demontiert und gemobbt. Ihnen werden Diebstähle unterstellt und am Ende werden sie mit dem Arbeitszeugnis erpresst.“ Zweieinhalb Jahre spielte Straub das Spiel mit. „Für Abmahnungen hatte ich einen Abreißblock“, erzählte er.
Ein Aldi-Detektiv versteckte einmal im Monat Waren in seinem Einkaufswagen. Wenn die Kassiererinnen das nicht bemerkten, erhielten sie eine Abmahnung, schilderte Straub. Die Verkäuferinnen machten das mit, „weil sie bei Aldi etwas mehr verdienen als bei der Konkurrenz. 20 Prozent mehr Geld, 100 Prozent mehr Leistung“, sagte Straub. 12 Euro verdiene eine ungelernte Kassiererin in der Stunde. Neben dem Geld blende auch der Erfolg von Aldi. „Wir dachten, das sei normal“, hätten ihm viele ehemalige Aldi-Mitarbeiter gesagt.
Nach zweieinhalb Jahren habe er gemerkt, dass er dort nicht reinpasse, sagte Straub. „Wahrscheinlich war ich zu weich.“ Aldi warf ihm vor, versucht zu haben, einen Filialleiter zu Schlecker abzuwerben. Statt den Auflösungsvertrag zu unterschreiben ging Straub zu einem Rechtsanwalt und klagte auf Wiedereinstellung. „Das Gericht hat Kündigung ohne Grund festgestellt. Deshalb wurde es für Aldi etwas teurer“, sagte er.
Nach dem Prozess entschloss er sich, ein Buch zu schreiben. Über einen Freund lernte er den Enthüllungsjournalisten Günter Wallraff kennen. „Der war zunächst skeptisch, weil er nicht geglaubt hat, dass ein Manager schreiben kann. Aber nach den ersten Seiten ermutigte er mich, weiter zu machen.“
Als das Buch schließlich erschien, seien die Aldi-Mitarbeiter weniger überrascht gewesen als die Öffentlichkeit. Aldi selbst bestreitet die Mobbing-Fälle nicht, die von den Spiegel-Journalisten Janko Tietz und Susanne Amann überprüft wurden, spricht aber von Einzelfällen.
Die konkurrierenden Discounter hätten laut Straub das Aldi-Modell übernommen. Nur damit könnten die Preise so niedrig sein und die Gründer dennoch zu den reichsten Männern Deutschlands gehören. Er wisse von einem Prokuristen, der Filialleiter mit Joghurt bewarf und bei Feiern drohte: Sie schmeiß‘ ich auch noch raus. „Das“, sagte Straub, „war dann sogar Aldi zu krass. Der Mann ist jetzt bei Lidl – aber eine Gehaltsstufe höher.“

 Info: Andreas Straub: Aldi – Einfach billig. 335 Seiten, Rowohlt-Verlag, 8,99 Euro

 

24.06.2012 Kritik der Kritik

Der Blogger Thorsten Dewi alias "Wortvogel" kritisiert die Berichterstattung im Spiegel über Aldi - Hauptthema die allgegenwärtige Paranoia - als "polemisch". Die beiden Spiegel Redakteure haben reagiert. Nachdem ich auf die Seite und vor allem die zynischen Kommentare aufmerksam wurde, ist es mir ein Anliegen, ebenfalls Stellung zu beziehen. Die Feedbacks, die meine Leser mir täglich mailen, bestätigen nämlich sowohl mein Buch als auch den Spiegel Artikel voll und ganz. In meinem Beitrag gebe ich daher gleichzeitig einige Feedbacks in anonymisierter Form wieder. 
Der Artikel von "Wortvogel" hier:
http://wortvogel.de/2012/06/spiegel-vs-aldi-eine-billige-polemik-nachtrag-sehr-geehrte-frau-amann-sehr-geehrter-herr-tietz/#comments

Meine Antwort ist im Gästebuch #135, hier nochmals für meine Leser:
 Andreas Straub
Erstellt am 23. Juni, 2012 um 20:57 Uhr
Lieber Torsten Dewi,
mein Name ist Andreas Straub. Ich war bei Aldi als Nachwuchsmanager beschäftigt. Richtig, die arme Sau mit 60.000 und – jetzt Schleichwerbung, jetzt! – Audi A4 (fährt sich sehr gut als Automatik, ich wollte ihn immer in weiß, habe aber nur schwarz bekommen: Sauerei!).
Vor kurzem ist mein Buch „Aldi – einfach billig“ im Rowohlt Verlag erschienen, in dem ich mich nicht primär über mein Gehalt und die Farbe meines Dienstwagens beschwere. Da Sie den Spiegel Artikel intensiv gelesen und analysiert haben, könnte Sie das Buch ebenfalls interessieren. Wenn Sie mich nicht ganz so schlimm in die Pfanne hauen, will ich großzügig sein: Sie kriegen ein kriegen ein kostenloses Rezensionsexemplar. Ansonsten 8,99 Euro (auch günstig!) in jedem Buchladen. Schon wieder Schleichwerbung. Alles.

Um zunächst Ihre Frage zu beantworten: über die Verschwiegenheitsklausel in meinem Arbeitsvertrag habe ich mich hinweggesetzt, da es hier darum geht, gravierende Missstände aufzudecken. Schikane und Mobbing sind kein Betriebsgeheimnis.
Ihre Kritik mag teilweise, auch in Bezug auf mich, berechtigt sein, aber definitiv ist sie, was Sie den Spiegel-Redakteuren vorwerfen: polemisch. Auf gefühlten 20 Seiten besprechen Sie die 10 Seiten im Heft nach dem Motto: „der kleine Blogger gegen das große Magazin“ und er gibt’s denen mal so richtig – was Sie für mich („der kleine Schriftsteller gegen den Großkonzern“) zunächst nicht unsympathisch macht. Überrascht? Weniger erstaunlich: ich halte die Spiegel Titelgeschichte insgesamt dennoch für gelungen.

Das Hauptthema des Artikels, die allgegenwärtige Paranoia, hat sich für mich gerade im Nachhinein bestätigt. Ich war zugegebenermaßen zunächst im Hinblick auf diese These ebenfalls skeptisch. Als jahrelanger Teil des Systems habe ich viele Kontrollen ebenfalls als notwendig und angemessen wahrgenommen. Doch die Intensität ist teilweise perfide. Die Auswirkungen und Folgen habe ich selbst nicht so deutlich gesehen. Die Spiegel-Redakteure haben das jedoch sofort erkannt und für meine Begriffe gut herausgearbeitet.
Wozu führt die Kontrollwut, die weit über das Maß in anderen Konzernen, auch Handelskonzernen, hinausgeht?
In den letzten Wochen erreichen mich viele Mails, ich telefoniere mit Mitarbeitern und Ehemaligen und ich treffe sie persönlich. Ich will einige zusätzliche Beispiele, die weder im Spiegel noch in meinem Buch stehen, nennen:
- In einer Filiale fehlen einer Verkäuferin angeblich 5 Euro im Geldbeutel. Die Verdächtige ist schnell gefunden: eine langjährige Mitarbeiterin. Um das und weitere Vergehen nun nachzuweisen, werden tagelang zwei Detektive auf sie angesetzt. Einer ist verdeckt im Laden, der andere an der Kameraanlage. Vergeblich.
- Ein Azubi war mal im Verdacht, falsch rausgegeben zu haben. Aldi hat die Kontrollen daraufhin intensiviert. Er bekommt ständig Tester und kassiert bald zitternd. Der Azubi hat seit seiner Tätigkeit bei seiner Aldi mehrere Allergien bekommen und sein Körper hält dem ständigen Druck nur kaum noch statt. Er hat regelmäßig Albträume, unter anderem, dass er zur Strafe in der Tiefkühlzelle eingesperrt wird.
- Ein Kollege von mir reagiert noch heute panisch auf, wenn er von weitem Nummernschilder bei Autos auf der Gegenfahrbahn sieht, die an die Kennzeichen der leitenden Mitarbeiter aus der Zentrale erinnern. Er schaut argwöhnisch in den Rückspiegel bei (Achtung nochmal Schleichwerbung) bei jedem Audi A6, den unsere Vorgesetzten immer fuhren (zu meiner Genugtuung untermotorisiert und ebenfalls nicht in weiß, sondern in schwarz).
- Ein Filialleiter schreckt noch heute panisch und mit Schweißausbrüchen auf (3 Jahre nach seinem Ausscheiden), wenn laut an der Türe geklopft wird. Das war eine Eigenart seines Verkaufsleiters, vor dem er unglaubliche Angst hatte.
- Bei einer Verkäuferin wird die Zeit genommen, wie lange sie auf der Toilette ist und der Inhalt des Mülleimers nach den Pausen kontrolliert. Man unterstellt ihr, sie sei magersüchtig und habe einen „Waschzwang“.
- Ein Mitarbeiter schwärzt einen Kollegen an, weil er einen Fehler von ihm bemerkt hat und das für einen Test hielt. Daraufhin wird der Kollege gefeuert. Viele Mitarbeiter sind sich nie sicher, ob es sich um eine Kontrolle oder um einen echten Fehler handelt.
- Einer rothaarigen Verkäuferin wird fast gekündigt, weil sie angeblich einen Geldbeutel bei einem entsprechenden Test unterschlagen hätte. Dabei hatte der eingesetzte Detektiv den Geldbeutel versehentlich einer anderen Rothaarigen übergeben.
- Ein Filialleiter ist heute noch (nach 4 Jahren) beim Psychiater, weil er ständig Albträume von seinem Kündigungsgespräch hat, bei dem ihm etwas untergeschoben wurde. Er fürchtet ständig, dass ihm das wieder passiert. Seinem neuen Arbeitgeber ist das extreme Missstrauen sofort aufgefallen.
- Eine Vertretungs-Filialleiterin war im Verdacht, mit Geldrückgaben zu betrügen. Nachweisen konnte man das nie. Gekündigt wurde ihr wegen zwei Äpfeln. Uns sowas spricht sich rum und alle anderen werden ebenfalls ängstlich!
- Ein Mitarbeiter fand in seinem Spind eine Packung Gummibärchen, die ihm nicht gehörten. Er wollte ernsthaft die Polizei alarmieren und Fingerabdrücke nehmen lassen, um ganz sicher zu sein, dass sie ihm nicht untergeschoben werden können. Eine Verkäuferin hatte sie versehentlich bei hm statt bei ihr selbst reingelegt.
Dies sind nur einige Beispiele, die ich jedenfalls, nicht für normal, sondern in der Tat für paranoid halte. Insofern hat der Spiegel neben meinem Buch und den TV Sendungen zum Thema einen großen Beitrag zur Aufdeckung der Discounter-Machenschaften geleistet und vielen Betroffenen gezeigt, dass sie nicht alleine sind, dass sie eben keine Einzelfälle sind, sondern dass hier ein System vorherrscht. Nur Torsten Dewi, da haben Sie Recht, das immer 100% zu beweisen, ist kaum möglich. Die Aldi Gründer und deren Manager haben eine dezentrale Organisation und Führungsmechanismen geschaffen, die ebendies erschweren. Sie sind vielleicht menschenverachtend, aber nicht dumm.
Ihr Andreas Straub
http://www.andreasstraub.com (die letzte Schleichwerbung, versprochen!)

14.06.2012 Aldi als Bestseller

So wird in Österreich über mein Buch berichtet:

31.05.2012 Interview in der Süddeutschen Zeitung

"Ein menschenverachtendes System"

Andreas Straub war bis zum Jahr 2011 Manager bei Aldi, dann ging er. Er prangert den Umgang mit den Mitarbeitern an. Andreas Straub, 27, hat von 2007 bis 2011 als Nachwuchsmanager bei Aldi Süd gearbeitet. Nach nur dreieinhalb Jahren endete seine Karriere beim Discounter. Nun rechnet der Buchautor mit den Praktiken im Lebensmittel-Einzelhandel ab, er berichtet über Kontrollwahn und hohen Druck auf die Mitarbeiter bei Aldi.

SZ: 
Herr Straub, Hand aufs Herz, wie viele Mitarbeiter haben Sie in Ihrer Zeit bei Aldi entlassen?
Andreas Straub: Wir haben das intern immer "rausnehmen" genannt, das klingt irgendwie souveräner. Bei mir hielt sich das in Grenzen, aber ein paar waren es schon. Wer in diesem System als Manager länger überleben will, muss gelegentlich ein Tyrann sein. Das war ich auch. Ich habe etliche Abmahnungen geschrieben, für Aldi-Verhältnisse war ich trotzdem fast schon luschig. Es gab Kollegen, die waren mit einer Art Abreißblock für Abmahnungen unterwegs.
SZ: Gibt es denn bei Aldi Abmahnungen schon für Kleinigkeiten?
Straub: Das sowieso. Ziel vieler Aldi-Manager ist es, die Personalakten der Mitarbeiter mit Abmahnungen anzufüttern. Jeder Mitarbeiter hat dadurch eine Vorgeschichte. In sich jährlich wiederholenden Schulungen haben uns Aldi-Anwälte die Tricks beigebracht.
SZ: Wie provoziert Aldi die Abmahnungen genau?
Straub: Der Kreativität der Bereichsleiter sind keine Grenzen gesetzt. Es gibt Mitarbeiter, die wurden abgemahnt, weil sie sich nicht rasiert haben, andere weil sie sich beim Verlassen der Filiale angeblich nicht beim Chef verabschiedet haben. Die sicherste Methode sind allerdings Testkäufe. Man lässt zum Beispiel eine stark geschminkte 17-Jährige eine Flasche Wodka kaufen. Der Kassierer muss laut Gesetz nach dem Ausweis fragen. Tut er es nicht, gibt es eine Abmahnung. Selbst wenn er danach fragt, gibt es noch Möglichkeiten ihn zu verwarnen.
SZ: Und wie?
Straub: Es kommt schon mal vor, dass die Testkäuferin dann anfängt, in ihrem Portemonnaie zu suchen und feststellt, dass sie ihren Ausweis angeblich im Auto liegen gelassen hat, zum Beweis wedelt sie mit dem Zündschlüssel. Sie bietet an, den Ausweis holen zu gehen. Die meisten Kassierer knicken ein, sie möchten nicht riskieren, dass die Schlange an der Kasse endlos wächst.
SZ: Weshalb sind Sie überhaupt zu Aldi gegangen?
Straub: Das Unternehmen hat mich fasziniert. Es ist sehr erfolgreich. Nach dem Studium hat mich auch das Gehalt angesprochen - immerhin 60 000 Euro und ein Dienstwagen mit Tankkarte. Vor allem wollte ich aber in ein Unternehmen, in dem ich schnell Verantwortung übernehmen und eigene Entscheidungen treffen kann.
SZ: Und hat sich das bestätigt?
Straub: Teils, teils. Ich hatte schon Verantwortung, allerdings in einem sehr engen Korsett.
SZ: Und wann haben Sie angefangen, zu zweifeln?
Straub: Die ersten Zweifel kamen früh. Ich habe sie aber immer wieder weggewischt, ja sogar ignoriert. Ich war lange Teil des Systems.
SZ: Sie waren Teil eines Systems, das Sie heute kritisieren. Nehmen Sie Rache?
Straub: Natürlich war ich wütend und traurig, nachdem ich entlassen wurde. Ich hatte einige Zeit damit zu tun, mein Leben wieder auf die Reihe zu bekommen. Ich habe angefangen - zunächst nur für mich - aufzuschreiben, was ich bei Aldi erlebt habe. Sachlich, vielleicht mit einer Prise Humor. Beim Schreiben habe ich dann gemerkt, dass auch die Öffentlichkeit erfahren sollte, wie die wahren Arbeitsbedingungen bei Aldi sind.
SZ: Wie hat Aldi bisher reagiert?
Straub: Allen Kassierern wurde ein Schreiben verteilt, das sie notfalls besorgten Kunden zeigen können. Darin steht, dass Aldi höhere Löhne als die Konkurrenz zahlen würde und die Mitarbeiter außerordentlich zufrieden mit ihren Jobs seien. Ich bekomme aber täglich Dutzende Mails von ehemaligen und aktuellen Aldi-Mitarbeitern, die mir ihre Fälle beschreiben und meine These bestärken: Aldi ist ein menschenverachtendes System.
SZ: Bekommen Sie auch Reaktionen vom Management?
Straub: Eine ganze Menge. Die meisten Führungskräfte bestätigen meine Ausführungen.


 

27.05.2012 Erfreuliche Reaktionen

Mein Buch "Aldi - einfach billig" ist nun seit vier Wochen auf dem Markt. Mich erreichen unwahrscheinlich viele Nachrichten von Betroffenen und begeisterten Lesern. Ich versuche, alle Mails so schnell als möglich individuell zu beantworten. Auch die veröffentlichten Reaktionen von Lesern zeichnen bislang ein positives Bild. Ein erfreuliches Feedback. Hier meine Lieblings-Rezension auf www.amazon.de: 

"Es raubt einem dem Atem
... und zwar nicht nur vor Spannung, sondern vor allem aus Fassungslosigkeit. Nie habe ich beim Lesen eines Buches so verflucht, zwischendurch schlafen gehen zu müssen; nicht nur, weil ich unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht, sondern auch, weil ich nach der Lektüre blöderweise auch noch schlecht davon geträumt habe. Was wir bislang nur von Schlecker und Lidl wussten, wird jetzt für die sympathische Marke offenbar. Das Terrorregime Aldi schildert Straub detailliert, glaubwürdig und ohne zu jammern (was bei dem Thema ja nahe gelegen hätte) oder anzuklagen. Im Gegenteil: Ich fühle sogar immer noch Sympathie für das Unternehmen durch, da war (und ist bis heute) jemand offenbar mit Leib und Seele bei der Sache. Bei allem, was dem Autor widerfahren ist, bleibt er immer noch sachlich und würzt seine Erlebnisse sogar mit humorvollen Anekdoten, was das Buch leicht durchlesbar macht. (Leidglich das Vorwort von Günter Wallraff ist mit 20 Seiten etwas lang geraten. Ich habe es nach ein paar Seiten übersprungen. Trotzdem verstehe ich, dass man als No Name-Autor froh ist, wenn Wallraff sich die Ehre eines Buch-Beitrags gibt.) Doch das Lachen bleibt einem im Halse stecken, führt man sich vor Augen, dass DAS der Arbeitsalltag von tausenden von Menschen ist. Nachdem ich Schlecker schon zu Fall gebracht habe, indem ich nicht mehr hingegegangen bin (ja, das war ich ;-)), wünscht man förmlich, dass es Aldi bald ähnlich geht; aber ob es bei Tengelmann oder Netto anders zugeht, ist fraglich. Gerade das letzte Kapitel macht deutlich, dass das System "Aldi" das traurige Blueprint für ähnliche bis schlimmere Verhältnisse bei Lidl, Norma und anderen Discountern ist. Ich kann nur hoffen, dass das Buch Konsequenzen hat. Ich habe es schon mehreren Freunden empfohlen. Es sollte aber nicht nur Pflichtlektüre für die Konsumenten sein, sondern vielmehr für die Aldi-Führungsebene, um ihr den Spiegel vor Augen zu halten, damit die Unternehmenskultur der Angst endlich ein Ende hat."

18.05.2012 Neue Leseprobe aus "Aldi einfach billig": "Dat Gruppengespräch" bei Lidl

Die Lidl-Zentrale ist ein repräsentativer, gläserner Neubau – nichts zu spüren von Discountermief. Adrette Empfangsdamen begrüßen die Besucher. Sie weisen mir den Weg in ein großes Besprechungszimmer. Ich staune nicht schlecht, als ich den Raum betrete: Etwa zehn Namensschilder von Bewerbern stehen auf dem Tisch und weisen ihnen die Plätze zu. Langsam dämmert mir, was mit «Gruppengespräch» gemeint sein könnte. An der Stirnseite sind drei Namensschilder von Lidl-Mitarbeitern aufgestellt. Ich setze mich an meinen Platz. Ganz vorne übrigens, dicht am Lidl-Management. Wenigstens gibt es Kaffee. 
...
Immerhin ist der Einkaufsvorstand persönlich gekommen, flankiert von zwei Abteilungsleitern. Sie tragen Anzüge, aber ohne Krawatte. Nach der Bespitzelungsaffäre wurden sie bei Lidl abgeschafft. Mit «sie» sind die Krawatten gemeint, nicht deren Träger. Die Manager sollen jetzt Bodenständigkeit und Offenheit demonstrieren. Ich weiß von der «Dress-down»- Anweisung und habe mir demonstrativ eine knallrote Krawatte umgebunden. Der Vorstand ist Holländer, einer der Abteilungsleiter Schwabe, der andere sagt kein Wort. Er wird die ganze Veranstaltung über schweigen und mit ausdruckslosem Gesicht dasitzen. Der Holländer nennt die Namen der Lidl-Vertreter, die Namen der Bewerber interessieren niemanden. Zuerst wird ein fünf Jahre alter Imagefilm abgespielt, man wolle Kosten sparen und könne nicht ständig neue drehen, erklärt der Holländer. Vermutlich ändert sich ohnehin nichts, abgesehen davon, dass es jedes Jahr ein paar Filialen mehr gibt und die Umsätze jedes Jahr etwas höher sind. Ich lümmle gelangweilt auf dem teuren Besprechungssessel herum. Der Film läuft, und ich sinke immer tiefer ein. Schnell noch mal Kaffee nachschenken. Es wird Zeit für die erste subtile Provokation. Ich packe mein lilafarbenes Notizbuch aus und schreibe auffällig mit.
.…
Es ist Zeit für ein letztes Aufbäumen, Schluss mit Scheiß-Laptop-Fragen. Der schwäbische Abteilungsleiter erzählt gerade von seinem Haus mit kleinem Garten und von seinen Himbeeren und was man davon lernen könne, da unterbreche ich ihn: «Wo wir gerade bei Himbeeren sind: Aus Himbeeren wird ja auch Eis gemacht.» Irritierte Blicke treffen mich. Wahrscheinlich fragen sich die anderen Bewerber jetzt, was in meinem Kaffee ist. Aber ich muss punkten. Banalitäten sind gefragt. Schnell füge ich hinzu: «Ich kann mir gut vorstellen, dass Eis im Sommer mehr verkauft wird als im Winter und dass man das im Einkauf berücksichtigen muss.» «Genau, genau», überschlägt sich der Holländer fast. «So is dat. So müssen Sie als Einkäufer denken.» Nur zur Erinnerung: Es geht hier um eine Prokuristenstelle mit Verantwortung für Hunderte Millionen Einkaufsvolumen. Sein schwäbischer Jünger stimmt ein, lobt meinen Scharfsinn. Genau so müsse ein Einkäufer denken. Nicht im Internet recherchieren. Der gesunde Menschenverstand sei gefragt. Ich rutsche in meinem Ledersessel empor, richte den Oberkörper auf: Den Job habe ich quasi schon in der Tasche. Ich sehe mich bereits – ohne Krawatte, versteht sich – als den neuen Lieferantenschreck und lasse schon mal einen siegessicheren, arroganten Lidl-Managerblick über den restlichen Bewerbermob schweifen. Ob ich noch einen nachlege, nach dem Motto «im Winter würde ich mehr Glühwein bestellen als im Sommer»? Nein, die anderen sollen auch noch eine Chance haben.
Der Holländer fügt in meine Richtung an: «Wenn Sie mal Eis einkaufen sollten. Ich sage Ihnen: Eis is de letzte Hurenartikel.»
Die Bewerber horchen entgeistert auf. Wir trauen unseren Ohren nicht. Hat er das gerade wirklich gesagt? Er bemerkt unsere ungläubigen Blicke, wiederholt: «Eis is de letzte Hurenartikel. Wenn es warm ist, wollen alle, sonst keiner.»

12.05.2012 Eine turbulente Woche geht zu Ende

Diese Woche war ich gleich in mehreren TV Sendungen und habe einige Interviews gegeben. Turbulent, aber auch interessant war die SternTV Sendung am Mittwoch. Am Donnerstag dann eine tollen Inhouse-Lesung und Diskussion mit 50 - 60 RTL-Redakteuren. Ich hatte mit zwei, drei Reportern gerechnet, aber der ganze Flur und das Großraumbüro von RTL Interactive hatte sich versammelt! Die Redakteure waren sehr interessiert und ich kann mir gut vorstellen, dass weitere Berichte folgen. Allmählich tröpfeln die ersten Rezensionen zu meinem Buch ein. Sie fallen bislang überwiegend positiv aus. Vor allem in zahllosen eMails, für die ich mich bedanke, erhalte ich viel Zuspruch. Von Einzelfällen jedenfalls kann schon längst niemand mehr sprechen. Immerhin ist es nunmehr gelungen, einige Machenschaften der Discounter ans Licht der Öffentlichkeit zu bringen. Ein kleiner Erfolg. Nächste Woche stehen weitere Dreharbeiten und Interviews an. Aber jetzt erstmal: Wochenende!

06.05.2012 Aldi erhält staatliche Subventionen

Wenn es nie genug sein kann ...

Der Discounter Aldi erhielt in den vergangenen Jahren staatliche Subventionen in beträchtlicher Höhe. Sowohl Aldi Nord als auch Aldi Süd hatten beim Bundesamt für Güterverkehr (BAG) Fördermittel für Unternehmen des Güterkraftverkehrs beantragt. Warum und in welcher Höhe der Handelskonzern mit einem weltweiten Umsatz von 57 Milliarden Euro staatliche Unterstützung für Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen bekam, ist unklar. Auskünfte dazu verweigert das BAG vorerst, da diese "Betriebs- oder Geschäftsgeheimnisse" von Aldi betreffen könnten. "Bei den erbetenen Informationen handelt es sich um unternehmensbezogene Informationen, die nicht offenkundig sind und bei denen ein Geheimhaltungswille von Aldi nicht ausgeschlossen werden kann", hieß es. Auch Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer, dessen Behörde das BAG unterstellt ist, äußerte sich nicht, sein Ministerium teilte lediglich mit: "Sofern die Fördervoraussetzungen für die Unternehmen von ALDI Süd bzw. Nord zutreffen, sind diese auch zuwendungsberechtigt." Selbst dem Parlament werden Auskünfte über die Verwendung der staatlichen Gelder verweigert. Eine kleine parlamentarische Anfrage der Grünen-Abgeordneten Valerie Wilms wurde mit der Aussage beantwortet, die Datenverarbeitung der BAG sei nicht "so ausgelegt", dass man sagen könne, welche Unternehmen wie hoch gefördert würden. "Es ist ärgerlich, als Abgeordnete im Nebel stochern zu müssen und keine klaren Auskünfte zu bekommen, was mit Steuergeldern und Fördermitteln eigentlich passiert", sagt Wilms. "Die Förderungen sollen bei der Aus- und Weiterbildung helfen und nicht das Sparprogramm eines Discounters aufpeppen. Sollte ein milliardenschwerer Laden wie Aldi tatsächlich diese Gelder anzapfen, wäre das unverschämt." Sowohl Aldi Süd als auch Aldi Nord bestätigten den Erhalt der Subventionen, verwiesen aber auf die erfolgreiche Prüfung durch das BAG.
http://www.spiegel.de/spiegel/vorab/a-831506.html

02.05.2012 Leseprobe aus "Aldi einfach billig" - Die Weihnachtsfeier

Da es sonst niemand tut, feiert sich das Management von Aldi einmal im Jahr, kurz vor Weihnachten, selbst. Die Weihnachtsfeiern sind eines der Highlights des Jahres.

Im Restaurant oder Hotel, je nachdem, auf welche Variante sich der Verkaufsleiter nach wochenlanger Diskussion mit sich selbst geeinigt hat, findet zuerst eine kurze Ansprache statt. Inhalt: Alles ist wieder bestens gelaufen, keine Schwierigkeiten letztes Jahr, tolle Zahlen, super Mitarbeiter, erstklassiges Betriebsklima. Nächstes Jahr soll alles noch besser werden. Wir haben es uns verdient. Wir arbeiten weiter daran. Und überhaupt: Wir sind die besten. Prost!
Die verlogene Ansammlung von Jasagern applaudiert der verlogenen Rede und prostet sich und vor allem den Vorgesetzten zu. Endlich gibt es was zu essen. Nun serviert also ein Sternekoch ein mindestens fünfgängiges Menü, das so mühsam ausgewählt wurde. Es werden ausschließlich Top-Restaurants mit besten Küchen ausgesucht. Wenn nur die Stimmung ein klein wenig besser wäre. Aber weshalb sollte ausgerechnet an diesem einen Tag im Jahr alles anders sein als sonst?

Üblicherweise wird auch darüber berichtet, wie viele Prokuristen und Geschäftsführer demnächst in Rente gehen. Es soll vermittelt werden, wie gut die Karrierechancen sind. Zuckerbrot und Peitsche. Während die alten Bereichsleiter an dieser Stelle müde lächeln, glauben die Jungen das noch. Ich erinnere mich an einen Trainee, der in seinem jugendlichen Leichtsinn daraufhin gegenüber dem Geschäftsführer tönte: «Super, dann werden ja demnächst viele Stellen für mich frei.» Alle am Tisch lachten. Mein Tischnachbar Wolf und ich schauten uns nur vielsagend an. Wir wussten beide: Der Trainee wird bald ein ehemaliger Kollege sein.

01.05.2012 Tag der Arbeit, Feiertag?!

Die Günther Jauch Sendung ist ganz gut gelaufen, wenngleich ich gerne noch etwas mehr gesagt hätte. Bei den ganzen Talk-Show-Profis in der Runde war das gar nicht so einfach. Dennoch: ein schöner Erfolg. Meine Position und das Buch sind nun publik. Ich habe etliche Anrufe und Zuschriften erhalten, die ich nach und nach beantworten werde. Momentan arbeite ich die Interviewanfragen und die dringendste Post ab, werde aber jedem, der mir geschrieben hat und noch schreibt, antworten. Derweil hat die Süddeutsche Zeitung über Aldis erneute Betriebsratsvermeidungsbemühungen berichtet:
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/vorwuerfe-gegen-discounter-aldi-torpedierte-betriebsrats-wahlen-1.1345069
Kein Wunder, schließlich will sich Aldi nicht gerne reinreden lassen. Schon gar nicht von Mitarbeitern.

29.04.2012 Der Spiegel und Jauch

Heute schon auf Spiegel Online:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,830372,00.html

Später bin ich zu Gast bei Günther Jauch:
http://daserste.ndr.de/guentherjauch/aktuelle_sendung/gaeste3005.html

Bin schon etwas nervös, immerhin ist das live und ich war noch nie in einer Talkshow oder sonst im Fernsehen. Und dann gleich sowas ... also: Daumen drücken und heute Abend einschalten, wenn es heißt "Das Aldi-Prinzip - billig um jeden Preis?".

27.04.2012 Bald ist es soweit!

Bald ist es soweit: am 30.04.2012 erscheint mein Buch „Aldi einfach billig“ im Rowohlt Taschenbuchverlag.
Etwa ein Jahr nach meinem Austritt als Bereichsleiter bei Aldi veröffentliche ich nun meine Erlebnisse beim Discounter Nummer 1 in Deutschland. Erstmals wird eine breite Öffentlichkeit Einblicke in die Welt und hinter die Kulissen der billigen Preise erhalten. Zuerst war ich ein erstaunter, beinahe ungläubiger Zuschauer, später ein aktiver Teilnehmer, schließlich ein Zweifler und Aussteiger, dem es am Ende selbst schlecht erging. Ich schreibe dennoch ohne jedes Rachegefühl. Zeit heilt bekanntlich viele Wunden. Ich versuche, meine Erfahrungen sachlich zu beschreiben und möglichst wenig zu werten. Nur an vereinzelten Stellen erlaube ich mir eine Meinungsäußerung. Und die lautet, zusammengefasst: billig kostet eben. 

26.04.2015 Die Aldi Expansion in den Osten Deutschlands

Dreharbeiten für den MDR

Heute habe ich mit einem Team des MDR über die Expansion von Aldi (Nord) nach der Wende in den Osten gesprochen - ein interessantes und gleichzeitig kaum besprochenes Thema. Denn nach der innerdeutschen Einigung musste alles schnell gehen. Discounter wie Supermärkte wollten den Osten für sich erobern, mit jeweils ganz unterschiedlichen Strategien. Aldi Nord setzte zunächst auf eine Übertragung des im Westen etablierten Systems. Allerdings blieben die Erfolge aus. So passte man sich an und erweiterte das Sortiment beispielsweise um einige Ost-Artikel. Insider und damals Beteiligte sprechen von wilden Zuständen: beispielsweise wurde ein Schweinestall der früheren LPG angemietet und von dort aus Ware verkauft. Details und die ganze Story demnächst im MDR!