Eine heimliche Überwachung von Angestellten dürfte nach dem Spitzel-Skandal des Lebensmitteldiscounters Lidl 2008 eigentlich nicht mehr vorkommen. Doch nun kommt heraus: Auch Aldi Süd soll seine Mitarbeiter mit Kameras bespitzelt haben.

Das verrät der Detektiv, der für das Unternehmen gearbeitet hat: Wolfgang Paul. Er habe von einer Aldi-Führungskraft unter anderem den Auftrag erhalten, Angestellte zu beobachten und Auffälligkeiten zu melden, sagt der Detektiv. Offiziell sollte für sechs Regionalgeschäfte mit rund 300 Discountfilialen von Aldi Süd und Aldi Suisse durch Überwachungen Kundendiebstähle verhindern – nebenbei aber ein "Auge auf die Mitarbeiter und ihre Gewohnheiten werfen". Im Zentrallager in Altenstadt hat Wolfgang Paul einen seiner größten Aufträge gehabt. "Hier musste ich im Innenbereich, bei den Toren, Minikameras installieren, um dort die Mitarbeiter zu überwachen", so Paul.

"Ein Verdacht ist schnell konstruiert"

Unter bestimmten Voraussetzungen sind solche Überwachungen erlaubt. Etwa wenn ein begründeter Verdacht besteht, Angestellte könnten ihren Arbeitgeber bestehlen. Ex-Aldi-Manager Andreas Straub erinnert sich an die Vorgänge und bezweifelt, ob ein solcher Anlass jedes Mal gegeben war: "Besonders eklatant waren ja diese Lagerüberwachungen, wo Detektive Minikameras über diesen Laderampen eingebaut haben. Da ist eben dann immer irgendein Verdacht, der ist ja dann auch immer schnell konstruiert in so einem Lager. Und wenn man einen Mitarbeiter konkret im Verdacht hätte, überwacht der Detektiv ja automatisch alle anderen auch mit", meint Straub.

Aldi weist die Vorwürfe zurück, seine Mitarbeiter heimlich bespitzelt zu haben. Deshalb hat Wolfgang Paul eine eidesstattliche Versicherung unterschrieben, die seine Behauptungen absichern soll. Denn Paul berichtet auch, die Aldi-Führung habe keine Grenzen gekannt bei den Anforderungen an den Detektiv. Selbst intimste Bereiche sollte er mit versteckten Minikameras überwachen. "Also hier hat mir eine Führungskraft in den Nebenräumen, wo die Damen sich auch umziehen, versteckte Kameras zu installieren. Da hab ich ganz klar gesagt: Das geht absolut nicht da mach ich mich strafbar. Das sollte man eigentlich wissen", berichtet der Detektiv.

Mitarbeiterüberwachungen waren "Sonderleistungen"

Schriftliche Dokumente über die Aufträge soll es kaum gegeben haben – Aldi habe das vermieden. Mitarbeiterüberwachungen seien ausschließlich mündlich abgesprochen worden, per Telefon. "Wir haben unseren Hausdetektiv, einen freiberuflichen Detektiv angerufen und um ein vertrauliches Gespräch gebeten, meistens aus dem Auto raus, und ihn dann aufgefordert, einen bestimmten Mitarbeiter zu überwachen", so der ehemalige Regionalverkaufsleiter von Aldi Süd. Wolfgang Paul: "Man wurde von den Führungskräften darauf hingewiesen, dass man irgendwelche Techtel-Mechtel unter den Arbeitern, oder wenn jemand eine schlechte finanzielle Situation hatte, dass man das sofort unverzüglich mitteilt."

In seinen Rechnungen habe der Detektiv diese Art von Dienstleistungen als "Sonderleistungen" ausgewiesen. Dass die Geschäftsleitung von der Detektivarbeit nichts wusste, bezweifelt der ehemalige Aldi-Manager Andreas Straub: "Solche Vorgänge waren im Regelfall sehr weit nach oben bekannt." Wenn die Rechnungsbeträge gewisse Summen überschreiten, dann hätten das auch höhere Vorgesetzte abzeichnen müssen, so Straub. Üblicherweise würde man dann doch nachfragen, wofür man das Geld ausgebe: Für "Sonderleistungen"?

Link:
http://www.stern.de/tv/sterntv/alles-sauber-bei-aldi-sued-detektiv-enthuellt-verdeckte-mitarbeiterkontrollen-1951225.html#utm_source=sternde&utm_medium=zhp&utm_campaign=wm3