Immer wieder erreichen mich Manuskripte und Buchideen von Lesern. Im Regelfall verfolge ich solche Anfragen nicht – da muss jeder seinen eigenen Weg finden. Vor einiger Zeit durfte ich vorab „Das Hermes Fiasko“ von Kevin Trautner lesen, das in diesen Tagen erscheint.
Der Autor beschreibt darin seine Erlebnisse als „selbständiger“ Generalunternehmer von Hermes. Er betrieb im Auftrag des zur OTTO-Gruppe gehörenden Paketdienstleisters ein sogenanntes Satelliten-Depot, vom dem aus Pakete weiterverteilt werden. Trautner schildert seinen Aufstieg, den täglichen Wahnsinn bei Hermes und schließlich sein Ende in der Insolvenz. Eine Geschichte, die es wohl in ähnlicher Form noch vielfach gibt. Eindrücklich ist in Trautners Fall seine persönliche Geschichte, die immer wieder eine Rolle spielt und ihn zusammen mit dem Druck als Subunternehmer in die Tablettensucht führt. Trotz "Fiasko" hatte ich nicht den Eindruck, dass es dem Autor um Rache geht. Er schreibt überzeugt von sich selbst, was trotz des ernsthaften Themas bisweilen einer gewissen Komik nicht entbehrt, und übersteigert manch eine Formulierung. Angesichts der persönlichen Betroffenheit ist das nicht überraschend. Aber darf man das, jetzt plötzlich auspacken und die Machenschaften ans Licht bringen? Hat der Autor nicht selbst da mitgemacht? Er ist Täter und Opfer zugleich, was die Geschichte spannend macht. Das kontroverse Buch dürfte für ordentlich Zündstoff bei Hermes sorgen.
Obwohl es sich um einen Insider-Bericht aus der Paketbranche handelt, habe ich einige Parallelen zum Handel und zu Discountern im Speziellen feststellen können.
Das Buch, erschienen beim Epubli Verlag, kostet 14,90 Euro und ist damit relativ teuer, das eBook gibt es für nur 4,99 Euro – so oder so, eine lohnende Investition für alle, die einmal hinter die Kulissen der OTTO-Tochter Hermes und ihrer, wie Trautner schreibt, „Paketsklaven“ blicken möchten.
(aktualisiert am 05.02.2013)

www.dashermesfiasko.de